Bischöfin Käßmann kritisiert katholische Sexualmoral

Nachricht 10. Mai 2005

Köln/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Sexualmoral der katholischen Kirche kritisiert. "Die Spaltung zwischen offizieller Sexualmoral und wirklichem Leben entfremdet viele junge Katholiken der Kirche", sagte Käßmann in einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers (Mittwochausgabe). Die evangelische Theologin nannte es "weltfremd", so zu tun, als gebe es keine Sexualität vor der Ehe.

Scharfe Kritik übte Käßmann auch am Verhütungsmittelverbot des Vatikans. "Ich habe in Äthiopien eine Frau gesehen, total abgemagert, die gerade ihre zwölftes Kind bekam, fünf waren aber schon verhungert", berichtete sie: "Wenn diese Frau nicht verhüten darf, dann ist das nicht menschengerecht, nicht lebensdienlich und nicht im Sinne Jesu."

Um Jugendliche für den Glauben zu gewinnen, sind nach Ansicht der Bischöfin Vorbilder entscheidend. Menschen, die sagten, für sie sei der christliche Glaube ein Halt, wirkten überzeugender als alle Bücher, Lehren, Dogmen. Junge Menschen hielten die Kirchen oft für "muffig". Deren Reden über Glaubensinhalte wirke oft sehr abstrakt. Käßmann leitet die mit 3,1 Millionen Mitgliedern größte evangelische Landeskirche in Deutschland. (epd Niedersachsen-Bremen/b1450/10.05.05)

Das Interview wurde epd vorab zur Verfügung gestellt.
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