Verhandlung gegen Marc Hoffmann lässt Wunden wieder aufbrechen

Nachricht 09. Mai 2005

Von Dieter Sell (epd) =

Bremerhaven (epd). Mit Prozessbeginn gegen den mutmaßlichen Mörder von Felix und Levke steigt in vielen Menschen in und um Hipstedt bei Bremerhaven die Wut hoch. "Es ist der Zorn, dass das alles geschehen ist", schildert der evangelische Gemeindepastor Hans-Christian Klotzek die Stimmung in den Dörfern, in denen Felix zu Hause war. Während der angeklagte Marc Hoffmann am Montag vor dem Landgericht in Stade über seine Anwälte erneut gestand, die beiden achtjährigen Kinder missbraucht und getötet zu haben, brechen in den Heimatregionen der Kinder alte Wunden wieder auf.

Noch immer lassen viele Eltern ihre Söhne und Töchter nicht alleine zur Schule gehen, weil sie sich an das erinnern, was Levke zugestoßen ist: Vor etwa einem Jahr kam das Mädchen von der Schule und konnte die Tür zu ihrem Elternhaus in Cuxhaven-Altenwalde nicht öffnen, weil sie den Schlüssel vergessen hatte. Hoffmann lockte sie ins Auto. Levke verschwand spurlos. "Dieser Schock ist noch immer da", sagt Pastor Klotzek, der Väter und Mütter aber trotzdem ermutigt, ihre Kinder alleine zur Schule gehen zu lassen, ihnen nach und nach wieder mehr Raum zu geben.

Die Trauer der Eltern von Levke und der Mutter von Felix, die im Prozess Nebenkläger sind, wird nach den Worten des Pastors wohl nie enden. "Sie erinnert uns an die Verantwortung für unsere Kinder." Im Leid komme es darauf an, "einen Weg zu finden, um mit dem Verlust zu leben, einen Weg, der uns wieder lachen lässt".

Gerade in diesen Tagen hat sich Klotzek zu mehreren seelsorgerlichen Gesprächen mit der Mutter von Felix getroffen. Und sein Kollege Joachim Wolff in Altenwalde kümmert sich intensiv um die Eltern von Levke. Mit dem Prozessauftakt sei auch in Altenwalde "die Normalität wieder abgeschnitten", sagt die Cuxhavener Superintendentin Almuth von der Recke. Doch "die Gemeinde umgibt die Familie".

In unregelmäßigen Abständen gibt es in Altenwalde kleine Andachten. Auch Klotzek überlegt, ob es nun in Hipstedt wie in der Zeit nach dem Verschwinden von Felix am 30. Oktober des vergangenen Jahres wieder Andachten geben soll. "Wir wollen im Kirchenvorstand darüber sprechen."

Die Gräber der Kinder sind zwar keine Pilgerstätten, werden aber öfter besucht. In Hipstedt und in Altenwalde finden sich immer wieder frische Blumen und neue Stofftiere. Am Donnerstag ist in Altenwalde ein öffentlicher Runder Tisch geplant, an dem Vertreter des Kinderschutzbundes, der Kirche und Schulpsychologen teilnehmen wollen.

Dann soll es unter der Frage "Schmerz ohne Ende?" auch um die Rolle der Medien gehen. Almuth von der Recke wirbt für eine sensible Berichterstattung: "Bei den Kindern darf nicht das Gefühl verstärkt werden, dass die Welt voller Mörder ist." (epd Niedersachsen-Bremen/b1428/09.05.05)
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