Landesbischöfin: Kinderlosigkeit durch verändertes Lebensgefühl

Nachricht 03. Mai 2005

Hannover/Berlin (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die zunehmende Kinderlosigkeit in Deutschland vor allem auf ein verändertes Lebensgefühl zurückgeführt. Die neue Familienstudie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeige, dass nicht die Betreuungsfrage bei der Entscheidung für oder gegen Kinder ausschlaggebend sei, sagte Käßmann am Dienstag in einem epd-Gespräch in Berlin.

Die Studie hatte ergeben, dass jeder vierte Mann zwischen 20 und 39 Jahren angibt, keine Kinder zu wollen. Bei den Frauen waren es 15 Prozent. Der statistische Durchschnittswert für die Zahl der gewünschten Kinder sank auf 1,7.

Die "totale Ökonomisierung des Lebens" trage erheblich dazu bei, dass sich junge Frauen und Männer gegen Kinder entschieden, so die evangelische Bischöfin. Kinder würden stärker als früher als Kostenfaktor gesehen. Daneben gebe es einen gesellschaftlichen Druck, mobil, flexibel und spontan zu sein. Das passe nicht zu Kindern.

Es sei in Deutschland keine Normalität mehr, mit Kindern zu leben, sagte die evangelische Theologin, die selbst vier Kinder hat. Diese Entwöhnung führe dazu, dass an Mütter völlig überhöhte Ansprüche gestellt würden. Das Leistungsdenken in der Erziehung schrecke junge Frauen davon ab, Kinder zu bekommen. Zudem fehle Vertrauen in die Zukunft, auch Gottvertrauen.

Zugleich warnte Käßmann vor Schuldzuweisungen an Akademikerinnen. "Kinderlose Akademikerinnen fühlen sich geradezu angeprangert", kritisierte die Bischöfin. Es seien jedoch viel mehr Männer, die keine Kinder wollten. (epd Niedersachsen-Bremen/b1376/03.05.05)
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