Kirchen: Schrecken von Krieg und NS-Zeit nie vergessen

Nachricht 02. Mai 2005

Hannover/Bonn (epd). Die Kirchen in Deutschland haben zum 60. Jahrestag des Kriegsendes dazu aufgerufen, die Schrecken des Krieges und der NS-Gewaltherrschaft niemals zu vergessen. "Wer das Gedächtnis verliert, verliert die Orientierung", erklärten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, am Freitag in Hannover und Bonn. Sie warnten zugleich davor, die Erinnerung an die deutschen Kriegsopfer Rechtsextremen zu überlassen.

Am 8. Mai 1945 seien die Völker Europas und der Welt und "mit ihnen wir Deutschen" endgültig befreit worden, so Kardinal Lehmann und Bischof Huber. "Wir gedenken der Unheils- und Schuldgeschichte nicht, um auf ewig an sie gefesselt zu bleiben, sondern um ihren Bann zu brechen". Die Erklärung wurde auch vom Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Bischof Walter Klaiber, unterzeichnet.

Kardinal Lehmann und die Bischöfe Huber und Klaiber erklärten mit Blick auf die deutschen Opfer von Bombenkrieg und Vertreibung, es gebe eine historisch-moralische Verantwortung, allen Leidtragenden gerecht zu werden. Zwar gebe es eine verständliche Besorgnis, dadurch könnte die deutsche Schuld relativiert werden. Ewig Gestrigen und ihren jungen Nachahmern, die sich des Leidens der deutschen Zivilbevölkerung zu ihren Zwecken bemächtigen wollten, werde durch das Verschweigen dieser Opfer jedoch bloß in die Hände gespielt.

Immer weniger Menschen seien noch am Leben, die den Krieg mit seinen mehr als fünfzig Millionen Toten und seine Vorgeschichte noch selbst erlebt hätten, hieß es. Die planmäßige Judenvernichtung übersteige bis heute jede Vorstellungskraft. Die Erinnerung an diese Verbrechen sei nötig, damit man sich niemals mehr über die Fähigkeit des Menschen zu unmenschlichen Taten und seinen Mangel an Mut täusche.

Die Kirchen verweisen darauf, dass Männer und Frauen des deutschen Widerstandes wie Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp oder Sophie Scholl ermutigende Vorbilder für den Aufstand des Gewissens gewesen seien. Die Bereitschaft zum Widerspruch gegen die Barbarei oder der Einsatz des eigenen Lebens im Widerstand seien jedoch die Ausnahme geblieben. Verbreitet und "normal" hingegen sei auch unter Christen "das Mitmachen, das Schweigen, das Nicht-Sehen-Wollen" gewesen. (epd Niedersachsen-Bremen/b1338/02.05.05)

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