Evangelische Zisterzienser-Erben zu Gast in Loccum

Nachricht 18. April 2005

Loccum (epd). Rund 180 Vertreter der evangelischen "Zisterzienser-Erben" treffen sich bis zum Mittwoch im Kloster Loccum bei Nienburg zu ihrer 13. Jahrestagung. Sie repräsentieren die bundesweit 140 ehemaligen Klöster der Zisterzienser und Zisterzienserinnen zwischen Rügen und dem Bodensee, die während der Reformation aufgelöst oder in andere kirchliche Einrichtungen verwandelt wurden, teilte der Loccumer Abt und frühere hannoversche Landesbischof Horst Hirschler dem epd mit.

"Es ist wichtig, dass wir uns austauschen und immer wieder neu überlegen, wie wir das gemeinsame Zisterziener-Erbe heute evangelisch nutzen können", sagte Hirschler. Nach seinen Angaben sind fast alle ehemaligen Klosterkirchen heute Gemeindekirchen. Einige Klöster wie Mariensee, Wienhausen, Börstel oder Medingen in Niedersachsen wurden Evangelische Damenstifte, andere wie Maulbronn in Württemberg zu evangelischen Klosterschulen.

Loccum ist laut Hirschler das einzige der ehemaligen Zisterzienser-Klöster, das durchgehend einen Abt, einen Prior und einen Konvent beibehalten hat. Das Kloster hat den in Rom ansässigen katholischen Zisterziener-Orden formell nie verlassen. Heute werden hier in einem Predigerseminar angehende Pastorinnen und Pastoren ausgebildet. Diese Art eines "Klosters auf Zeit" sei eine angemessene evangelische Lösung, mit dem Zisterzienser-Erbe umzugehen, sagte Hirschler.

Manche Impulse des Ordens seien heute auch für Protestanten bedeutsam. So habe Martin Luther die Mystik des berühmten Zisterziensers Bernhard von Clairvaux (1090-1153) geschätzt. Gleichwohl mache es keinen Sinn, in eine Zisterzienser-Romantik zu verfallen: "Wir haben die Gebäude und die Ordnungen geerbt, aber wir bleiben evangelisch."

Rückgrat der Tagung sind laut Hirschler vier Tagesgebete. Am Dienstagabend um 18 Uhr predigt Landesbischöfin Margot Käßmann bei einem Abendmahlsgottesdienst. Die Zahl von 180 Teilnehmern und Teilnehmerinnen, unter ihnen Pastoren, Kirchenvorsteher und Äbtissinnen, ist laut Hirschler die bisher höchste bei einem Treffen der protestantischen Zisterzienser-Nachfahren. (Internet: www.evangelische-zisterzienser-erben.de/) (epd
Niedersachsen-Bremen/b1171/18.04.05)

Das aktuelle Stichwort: Zisterzienser-Orden

Loccum (epd). Der Zisterzienser-Orden wurde 1098 in Burgund gegründet. In einer unwirtlichen Landschaft in Cîteaux (lateinisch Cistercium, daher der Name Zisterzienser) entwickelten 21 Mönche unter Abt Robert ihr Reformprogramm. Sie verstanden sich als Protestbewegung zu einem immer weltlicher werdenden Christentum. Der neue Orden besaß eine große Anziehungskraft gerade auf junge Menschen und breitete sich schnell bis nach Osteuropa aus.

Um 1350 war er auf 740 Klöster mit rund 20.000 Mönchen und Nonnen angewachsen. Für die Bewohner war eine radikal christliche Lebensgestaltung das oberste Gebot. Nach dem Grundsatz "Bete und arbeite" führten sie ihren Alltag. Harte körperliche Arbeit war als Gottes Auftrag hoch geachtet. Gleichzeitig war jedoch nichts wichtiger als die Gottesdienste und Stundengebete. Die Baukunst der Zisterzienser zeugt von Strenge, Demut und Schlichtheit: Ihre Kirchen hatten keine Türme. Für die Glocken mussten unauffällige Dachreiter genügen.

Zu den berühmtesten Zisterziensern gehörten Bernhard von Clairvaux (1090-1153) und Katharina von Bora (1499-1552), die spätere Ehefrau Martin Luthers. Reformation und Säkularisierung brachten dem Orden in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrtausends große Verluste. In jüngster Zeit wurden einige Gemeinschaften wiederbelebt. Der Generalabt hat seinen Sitz in Rom. (epd
Niedersachsen-Bremen/b1174/18.04.05)
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