Landesbischöfin hofft auf Wandel in katholischer Kirche

Nachricht 12. April 2005

Mainz/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hofft mit der Wahl eines neuen Papstes auf einen Wandel in der römisch-katholischen Kirche. Diese werde in Zukunft hoffentlich überzeugender auf andere Kirchen zugehen und die Lebenssituation von Frauen klarer wahrnehmen, sagte Käßmann der in Mainz erscheinenden "Allgemeinen Zeitung" (Dienstag-Ausgabe). Die Theologin steht an der Spitze der mit 3,1 Millionen Protestanten größten evangelischen Landeskirche.

Käßmann bezeichnete es als beschwerlich und enttäuschend, dass die lutherischen Kirchen von der römisch-katholischen Kirche nicht als Kirchen im umfassenden Sinn anerkannt würden und dass die katholische Kirche kein gemeinsames Abendmahl zulasse. Ökumenische Konflikte wie beim Papstamt, der Heiligenverehrung und dem Zölibat seien noch dieselben wie vor 500 Jahren. Belastend sei, wie vehement sich der Vatikan im Zeitalter von Hunger und Aids gegen die Anwendung von Verhütungsmitteln und Kondomen ausgesprochen habe.

Die Haltung der römisch-katholischen Kirche, Frauen nicht zu geweihten Ämtern zuzulassen, widerspricht nach den Worten von Käßmann biblischen Grundüberzeugungen. Vielfalt in der Kirche lasse sich nach außen hin schwieriger darstellen als eine Struktur mit einer dominierenden Führungspersönlichkeit. Die katholische Kirche sei aber nach innen sehr vielfältig, und Vielfalt lasse sich auf Dauer nicht unterdrücken. "Demokratisierung tut der Kirche gut", sagte Käßmann. (epd
Niedersachsen-Bremen/b1094/12.04.05)
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Landesbischöfin: Papst ist nicht Sprecher der Christenheit

Berlin/Hannover (epd). Auch der neue Papst kann nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann nicht für alle Christen sprechen. "Das Papstamt ist ein römisch-katholisches", sagte die evangelische Theologin der Berliner "Tageszeitung" vom Sonnabend. Der Papst sei für sie auch nicht als "Primus inter pares" (Erster unter Gleichen) vorstellbar. Das Papstamt widerspreche mit seinem Weihestatus und seinem Unfehlbarkeitsdogma völlig dem evangelischen Amtsverständnis.

Die Meinungsvielfalt in der evangelischen Kirche habe auch zur Folge, "dass wir nicht eine Person haben, die die ganze Kirche repräsentiert", fügte die Bischöfin hinzu. "Bei uns kann jeder und jede aufstehen wie Luther in Worms und sagen: 'Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen." Käßmann steht an der Spitze der mit 3,1 Millionen Protestanten größten evangelischen Landeskirche. Das Konklave zur Wahl des Nachfolgers von Papst Johannes Paul II. beginnt am 18. April. (epd Niedersachsen-Bremen/b1074/09.04.05)
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