Landesbischöfin eröffnet 300 Kilometer langen Pilgerweg

Nachricht 06. April 2005

Hameln (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat am Mittwoch in Hameln einen rund 300 Kilometer langen ökumenischen Pilgerweg von Niedersachsen nach Thüringen eröffnet. "Pilgern beansprucht Körper, Sinne und Seele", sagte sie in der evangelischen Münsterkirche: "Wir sind als evangelischen Kirche gerade dabei zu erkennen, dass Christen ihren Glauben mit allen Sinnen erleben wollen."

Der Pilgerweg führt an Weser, Leine und Unstrut entlang vom Kloster Loccum bei Nienburg bis zum Kloster Volkenroda bei Mühlhausen. Anfang und Ziel stehen in einer besonderen Beziehung zueinander, weil das Kloster Loccum 1163 von Zisterzienser-Mönchen aus Volkenroda gegründet wurde. In Volkenroda wurde 2001 der Christuspavillon der Kirchen von der Expo 2000 in Hannover neu aufgebaut.

Zahlreiche Kirchen und 39 Klöster säumen den spirituellen Wanderweg, unter ihnen zwölf Zisterzienser-Klöster und zwei orthodoxe Klöster.
Gemeinden, Gruppen und Einzelpilger können die Route nach ihren Vorstellungen gestalten. "Der Pilgerweg soll ein eigenes Leben entfalten", sagte der Journalist Jens Gundlach aus Hannover, der das Projekt mit entwickelt hat. Er selbst legte die Strecke in 13 Etappen zurück und wanderte täglich zwischen elf und 30 Kilometer.

Die Pilger können in Jugendherbergen, Gasthöfen, Hotels oder Gemeindehäusern übernachten. Ein von Gundlach verfasstes Handbuch nennt die Adressen. Wegmarken mit dem Loccumer Zisterzienserkreuz weisen den Wanderern die Richtung. Zwei Pilger-Pastoren und ein Pilgerarzt stehen ihnen für Ratschläge zur Verfügung. Bischöfin Käßmann äußerte die Hoffnung, dass die 18 Klöster auf dem Gebiet der hannoverschen Landeskirche in den kommenden Jahren durch ein Netz von Pilgerwegen miteinander verbunden werden.

Am Ende dieser Entwicklung könne ein Pilger-Handbuch der Landeskirche stehen. Mit dem Pilgerweg wolle die Landeskirche einen Impuls zum Evangelischen Kirchentag Ende Mai in Hannover setzen, der langfristig weiterwirken solle. (Buchhinweis: Jens Gundlach, Zwischen Loccum und Volkenroda, Lutherisches Verlagshaus Hannover 2005, 224 Seiten, 14,90 Euro. Internet: www.pilgerprojekt.de) (epd
Niedersachsen-Bremen/b1024/06.04.05)
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Auf den Spuren der Zisterzienser-Mönche - Landeskirche eröffnet Pilgerweg von Niedersachsen nach Thüringen

Von Michael Grau (epd)

Hameln (epd). Jens Gundlach war skeptisch, als er sich vor drei Jahren erstmals zu Fuß auf den 300 Kilometer langen Weg von Kloster zu Kloster machte. "Ich habe nicht gedacht, dass ich am Ziel ankomme", erzählt der Journalist. Aus seiner Wanderstrecke vom Kloster Loccum in Niedersachsen zum Kloster Volkenroda in Thüringen ist inzwischen ein ökumenischer Pilgerweg mit eigener Beschilderung geworden. Am Mittwoch wurde er von der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann in der Hamelner evangelischen Münsterkirche offiziell eröffnet.

Die Route führt an Weser, Leine und Unstrut entlang über die Bückeberge, das Wesergebirge, den Solling und den Dün. "Das ist schon eine sportliche Herausforderung", sagt Gundlach, inzwischen Ruheständler. Doch wer wandern könne, der schaffe auch den Pilgerweg. Er selbst ist in 13 Etappen täglich zwischen elf und 30 Kilometern gewandert: "Es ist ein Genuss zu erleben, was der Körper leisten kann."
Wer tagsüber durchhalte, auch bei schlechtem Wetter, werde abends mit einem Glas Bier oder Wein und einer gepflegten Mahlzeit belohnt.

Pilgern ist jedoch mehr als Wandern. Der Weg führt an zahlreichen Kirchen und 39 Klöstern vorbei, unter ihnen so geschichtsträchtige Orte wie das Kloster Amelungsborn bei Holzminden und das Kloster Bursfelde bei Göttingen. Sie alle laden zu Andacht und Besinnung ein. Gundlach nennt das Pilgern deshalb "Gehen mit Gott": "Man kann sein Gottesverhältnis entwickeln und aufbauen."

Die Idee, von Kloster zu Kloster zu laufen, kam ihm bei der Expo 2000. Dort hatten sich die Kirchen in Hannover mit einem "Christus-Pavillon" präsentiert, der später im Kloster Volkenroda neu aufgebaut wurde. Weil Mönche aus dem Zisterzienser-Kloster Volkenroda 1163 das Kloster Loccum gegründet und sich die beiden Konvente fortan gegenseitig besucht hatten, kam Gundlach auf die Idee, den Spuren der Zisterizienser zu folgen. Zwar ist ihre historische Route ist in keinem Archiv genau dokumentiert. Doch Gundlach entwickelte die Strecke nach heutigen Kriterien neu.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann freut sich, dass die evangelische Kirche auf diese Weise neue Formen der Spiritualität entdeckt. "Die Menschen wollen nicht nur hören, sondern den Glauben mit allen Sinnen kennenlernen." Viele suchten nach neuen Möglichkeiten, sich dem Christentum anzunähern. Das Laufen an der frischen Luft mache den Kopf frei und biete Raum für Gespräche. Die Kirche stoße dabei zugleich auf Jahrhunderte alte Traditionen, die mit neuem Leben gefüllt würden.

Den Einwand, Pilgern sei etwas Katholisches, will sie nicht gelten lassen: "Pilgern ist keine an eine Konfession gebundene Tradition." Die evangelische Kirche knüpfe hier bewusst an das Erbe der alten Kirche an: "Pilgern als eine Form des Nachdenkens über den Glauben können wir gut lutherisch gestalten." Mehr als 100 Pilger brachen am Mittwoch auch schon in in Richtung Hämelschenburg auf.

(Buchhinweis: Jens Gundlach, Zwischen Loccum und Volkenroda, Lutherisches Verlagshaus Hannover 2005, 224 Seiten, 14,90 Euro.
Internet: www.pilgerprojekt.de) (epd Niedersachsen-Bremen/b1031/06.04.05)
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