Nagel: Kirchentag soll Kontrapunkt zum Pessismismus sein

Nachricht 04. April 2005

Hannover (epd). Kirchentagspräsident Professor Eckhard Nagel erhofft sich vom 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag Ende Mai in Hannover einen Kontrapunkt zum verbreiteten Pessimismus im Land. "Ich wünsche mir, dass das positive Klima, wie ich es kenne, wieder spürbar und erfahrbar wird", sagte der Mediziner und Philosoph in einem Interview der evangelischen Mitarbeiter-Zeitschrift "Dialog", die Anfang April in Hannover erschienen ist. Die "verhangene Grundstimmung in unserem Land" sei nicht angebracht.

Zu dem Protestantentreffen vom 25. bis 29. Mai werden in der niedersächsischen Landeshauptstadt rund 100.000 Dauerteilnehmer erwartet. Die Ausrichtung des Kirchentages habe sich im Laufe der Jahre geändert, sagte Nagel. Gegenüber den politisch geprägten Kirchentagen etwa der 80er Jahre drehten sich heute sehr viele Veranstaltungen um Fragen des Glaubens und das Engagement in der Gesellschaft : "Es ist mehr eine Orientierung der persönlichen Art, die heute zunehmend im Vordergrund steht."

Nach dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin, der mit 200.000 Besuchern die höchste Teilnehmerzahl aller bisherigen Kirchentage gehabt habe, könne man nicht davon sprechen, dass die große Zeit der Kirchentage vorbei sei, sagte Nagel. Die Breite und Menge der Themen machten das Christentreffen faszinierend. "Es gibt für viele Menschen etwas, das sie wirklich persönlich interessiert." Auch mache die Gemeinschaft vieler Christen den Kirchentag zu einem
Glaubensereignis. Es werde etwas miteinander geteilt, was in der
Gesellschaft sonst eher verborgen sei.

Nagel lehrt Medizin an der Universität Bayreuth und leitet das Transplantationszentrum in Augsburg. Seit 2001 ist er auch stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Ethikrates der Bundesrepublik. Der Kirchentag ist nach 1949, 1967 und 1983 zum vierten Mal zu Gast in Hannover. (epd
Niedersachsen-Bremen/b0994/04.04.05)

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