Landesbischöfin sieht ökumenisches Klima vor Kirchentag belastet

Nachricht 24. März 2005

Freiburg (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat das Verhältnis zwischen evangelischer und katholischer Kirche als angespannt bezeichnet. Die Atmosphäre vor dem 30. evangelischen Kirchentag Ende Mai in Hannover sei im Moment "ganz offensichtlich" belastet, sagte sie in einem Interview der in Freiburg erscheinenden Herder-Korrespondenz (April-Ausgabe). In der Ökumene fehle heute die Gelassenheit, die es früher gegeben habe. "Die Anspannung kann sich an einzelnen Punkten ganz schnell entzünden", so Käßmann.

Als Beispiel nannte die Bischöfin den Pfingstmontag. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken habe vorgeschlagen, den Tag als offiziellen Tag der Ökumene zu feiern. Dies sei von zahlreichen Evangelischen befürwortet, aber von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz abgelehnt worden, bedauerte die Bischöfin. Käßmann sprach sich gegen eine Einheitskirche aus. Die Unterschiede seien zu wichtig. Nötig seien aber die gegenseitige Anerkennung als "Kirchen im vollen Sinne" sowie gemeinsame Abendmahls- oder Eucharistiefeiern.

Zugleich plädierte Käßmann für eine wirksamere weltweite Medienpräsenz der evangelischen Kirchen. Für den Protestantismus werde eine internationale Stimme gebraucht. Der Papst als "Sprecher für die Einheit der Kirchen" sei für sie allerdings nicht vorstellbar. Das Papstamt sei "so sehr römisch-katholisch geprägt, dass der Papst vom Katholizismus nicht zu trennen ist".

Käßmann rief den Ökumenischen Rat der Kirchen und den Lutherischen Weltbund dazu auf, ihre Generalsekretäre stärker herauszuheben. "Auch in der Kirche sind Personen Nachrichten", so die Theologin. In Deutschland repräsentiere der Berliner Bischof Wolfgang Huber als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland den Protestantismus auf hervorragende Weise. (epd
Niedersachsen-Bremen/b0921/23.03.05)