Experten und Kirchen für bessere Versorgung Sterbender

Nachricht 18. März 2005

Hannover (epd). Die medizinische und pflegerische Versorgung schwerstkranker Menschen in Niedersachsen ist nach Ansicht von Experten ungenügend. Die evangelischen Kirchen, die Diakonie und Experten haben am Donnerstag in Hannover eine zügige Verbesserung gefordert. Der Palliativmediziner Christian Robold sagte bei einem Pressegespräch der Palliativ-Arbeitsgemeinschaft Niedersachsen: "Um die palliative, also schmerzlindernde Medizin auszubauen, brauchen wir landesweite Strukturen."

Es gebe viele Landkreise, die nur über ehrenamtliche Hospizdienste verfügten, sagte Robold. Eine angemessene schmerzmedizinische Betreuung sei mangels Kapazitäten vielerorts nicht möglich. Damit widersprechen die Experten einem Palliativ-Gutachten, das vergangene Woche vom niedersächsischen Sozialministerium vorgestellt wurde. Hier hieß es, Hilfsangebote für schwerstkranke Patienten seien vorhanden und müssten nur vernetzt werden.

"Es gibt vereinzelt Palliativ-Betten an Krankenhäusern und auch einzelne Ärzte, die sich auskennen", sagte Robold. Dies seien aber immer private Initiativen, die sich über Spenden und Zuschüsse finanzierten. So seien die insgesamt neun Palliativ-Stationen an niedersächsischen Kliniken bisher auch nur provisorische Einrichtungen.

Der Leiter der Palliativ-Station am hannoverschen Friederikenstift, Ingo Zander, sagte, die Station werde über Kostenumleitungen und Spenden finanziert. Er selbst mache pro Tag zwei kostenlose Überstunden, um seine Patienten zu versorgen. Viele kämen aus anderen Kliniken und Hospizen, weil die schmerzmedizinische Versorgung dort nicht ausreichend sei, so Zander.

Ziel der Palliativ-Stationen sei immer, die Patienten so weit zu stabilisieren, dass sie wieder nach Hause entlassen werden können. Dafür brauche es aber die diagnostischen Möglichkeiten einer Klinik und die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachärzte wie Radiologen, Onkologen und Schmerztherapeuten. Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und das Diakonische Werk der hannoverschen Landeskirche plädierten in ihrer Erklärung dafür, Palliativstationen als regionale Kompetenzzentren zu erhalten und auszubauen.

Die Experten halten es für problematisch, so genannte Palliativ-Care-Betten künftig in Altenheimen einzurichten, wie das Gutachten es vorschlägt. "Pflegeheime sind dafür weder technisch noch personell ausgerichtet", sagte Anke Reichwald vom Ambulanten Palliativdienst des Friederikenstifts. Unter den derzeitigen Bedingungen könnten schwerstkranke Patienten dort nicht versorgt werden, auch wenn dies wünschenswert wäre.

Die Fachleute aus Medizin, Pflege, Hospiz und Seelsorge forderten die Verantwortlichen des Gutachtens dazu auf, sich mit ihnen über die vielfältigen Probleme auszutauschen. Eine Fachtagung wäre hierfür sehr hilfreich, hieß es. Auftraggeber der 300 Seiten starken Studie waren neben dem Sozialministerium auch die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung. (epd Niedersachsen-Bremen/b0863/17.03.05)
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