Göttinger Alzheimer-Hilfsprojekt meldet Erfolg

Nachricht 09. März 2005

Göttingen (epd). Zwei Jahre nach dem Start ihrer bundesweit beachteten Initiative zur Entlastung der Angehörigen von Alzheimer-Kranken haben die Universitätsklinik und die Diakonie in Göttingen eine positive Bilanz des Projekts gezogen. "Das Vorhaben ist sehr gut angelaufen", sagte der Vorsitzende des Diakonie-Verbandes, Harald Kühle, am Mittwoch vor Journalisten in Göttingen. 64 Laienhelferinnen und -helfer hätten inzwischen eine Ausbildung durchlaufen und stünden zur Betreuung der Patienten zur Verfügung.

Nach Angaben der Diakonie-Mitarbeiterin Inge Tödter sind derzeit 32 Helferinnen und Helfer in 40 Familien im Einsatz. Sie machen mit den Patienten Spaziergänge oder kleine Ausflüge, spielen oder musizieren mit ihnen. "In einer Familie steht immer schon das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel und die Flasche Eierlikör auf dem Tisch, wenn die Helferin kommt", sagte Tödter. Die Betreuungszeit betrage in der Regel zwei Stunden, "so dass die Angehörigen auch mal in Ruhe was für sich machen können".

Vor ihrem Einsatz absolvieren die Ehrenamtlichen eine kostenlose 40-stündige Schulung. Dabei lernen sie Kommunikation und Gesprächsführung sowie pflegerelevante Handgriffe. Rollenspiele sollen die Helfer auf unerwartete Situationen vorbereiten. "Die Laien sollen allerdings keine kleinen Fachleute werden", sagte Professor Gabriela Stoppe von der Universitätsklinik Basel. Sie betreut das Projekt wissenschaftlich.

Viele Helfer hätten bereits vorher in Pflegeberufen gearbeitet, erläuterte die Psychologin Petra Geilfuß von der Gedächtnissprechstunde der Uni Göttingen die Motivation der Laien. "Andere haben in ihrem
Familien- oder Freundeskreis schon Erfahrungen mit Alzheimer-Patienten gemacht". Ein Teil der hauptsächlich weiblichen Bewerber suche nach dem Ende des Berufslebens oder dem Auszug der Kinder auch nach einer sinnvollen Tätigkeit.

Nach den Worten von Kühle warten viele Angehörige von Alzheimer-Kranken sehr lange, bis sie externe Hilfe bei der Betreuung in Anspruch nehmen. Die Angehörigen müssen die Aufwandsentschädigung für die Helfer in Höhe von 7,50 Euro pro Stunde zahlen. Einen Teil der Summe können sie aber von den Pflegekassen zurückfordern.

Das Göttinger Projekt wird vom Land Niedersachsen bislang mit rund 100.000 Euro gefördert. In Deutschland leiden Fachleuten zufolge rund eine Million Menschen an Alzheimer oder einer anderen Demenz-Erkrankung.
Betroffen sind vor allem über 65-Jährige, 70 Prozent aller Betroffenen sind Frauen. (epd Niedersachsen-Bremen/b0774/09.03.05)
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