EKD-Experte für islamischen Religionsunterricht

Nachricht 09. März 2005

Osnabrück (epd). Der Islam-Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland, Martin Affolderbach, hält islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen für notwendig. Christen und Muslime lebten in Deutschland friedlich miteinander. Darüber könnten auch symbolische Gewaltakte einzelner nicht hinwegtäuschen, sagte der Theologe in der kirchlichen Talkrunde "Tacheles - Talk vor Ort" am Mittwoch in Osnabrück.

Der Islamwissenschaftler von der Universität Osnabrück, Mizrap Polat, forderte, der Dialog zwischen den Religionen müsse zu stärkerer gegenseitiger Anerkennung führen. Der Islam sei eine friedliche Religion, die leider von Fundamentalisten missbraucht werde. Er sei jedoch zuversichtlich, dass die Mehrheit der Deutschen das unterscheiden könne, sagte Polat.

"Jeder Muslim sollte den Koran auch wirklich lesen, anstatt aus Second-Hand-Erkenntnissen von Eltern und Großeltern falsche Schlüsse zu ziehen", betonte Nazan Kapan, Leiterin eines muslimischen Mädchentreffs in Mannheim. Der Koran rechtfertige weder die Tötung eines Menschen noch die Unterdrückung der Frau. Auch sei das Tragen des Kopftuches kein religiöses Gebot.

Weltweit gebe es über eine Milliarde Muslime. Nur ganz wenige benutzten den Islam als Deckmantel für ihre Machtausübung. Nicht der Islam stelle eine Bedrohung dar. Aber es gebe kulturelle Defizite, die beseitigt werden müssten, sagte Kapan. "Die Menschen in den islamischen Ländern müssen Zugang zur Bildung haben, damit sie sich selbst über den Koran und seine Entstehungsgeschichte ein Bild machen können."

Die Veranstaltungsreihe "Tacheles - Talk vor Ort" findet im Vorfeld des Deutschen Evangelischen Kirchentages in zehn niedersächsischen Städten statt. In Osnabrück hatten Jugendliche von drei Gymnasien die Talkrunde zum Thema "Bedrohung Islam?" vorbereitet. (epd
Niedersachsen-Bremen/b0769/09.03.05)
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