Landesbischöfin: Frauen stehen unter enormem Attraktivitätsdruck

Nachricht 08. März 2005

Hildesheim (epd). Frauen stehen nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann unter einem enormen Druck, attraktiv zu sein. "Es muss uns doch irritieren, dass dieser Zwang, perfekt und schön zu sein, so viele Frauen zu Schönheitsoperationen drängt", sagte Käßmann am Dienstag anlässlich des Weltfrauentages in Hildesheim.

Es sei eine Anfrage an die "Macht der Bilder", wenn das Diktat des Gut-Aussehens einen solchen Druck erzeuge, dass laut einer Umfrage die meisten Frauen ihren Körper hassten und sich gern einer Schönheitsoperation unterziehen würden. Rund 60 Prozent der Befragten hätten angegeben, ihren eigenen Anblick im Spiegel nicht ertragen zu können. Nur ein Drittel der Frauen sei einigermaßen zufrieden mit ihrem Aussehen und eine von 25 Frauen völlig zufrieden mit ihrem Körper gewesen, sagte die Bischöfin.

Die Devise "Lass dich operieren" werde vor allem von den Medien vermittelt: "Silikon in Busen, Oberlippen und Po, Botox unter die Falten, Liften bis zur Gesichtsstarre, Fett weg, Bauch weg", so Käßmann. Irgendwann sähen die Frauen alle gleich aus, da sei ein Klonen dann gar nicht mehr nötig. Reife und Weisheit zählten als Wert bei Frauen heute nichts, sondern seien nur noch zu vermeiden oder gälten als peinlich.

Da Bilder außerordentlich prägend seien, habe sie sich auch entschieden für ein Kopftuch-Verbot von Lehrerinnen im staatlichen Dienst eingesetzt, sagte Käßmann weiter. Dies sei keine Frage der Religionsfreiheit, denn das Kopftuch sei kein rein religiöses Symbol.
Wenn schon die Haare einer Frau Sexualität implizierten oder in Deutschland ein Vater seine Tochter ermorde, weil sie vorhehelichen Sex gehabt habe und er damit seine Ehre befleckt sehe, so seien dies Bilder, die in deutschen Schulen keinen Raum erhalten sollten. (epd
Niedersachsen-Bremen/b0748/08.03.05)
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