Landesbischöfin ruft Jugendliche zur Versöhnung auf

Nachricht 06. März 2005

Stade (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Jugendlichen in Erinnerung an die deutsche Geschichte zur Versöhnung aufgerufen. Es gebe keine Alternative zur Erinnerung und zum partnerschaftlichen Umgang zwischen Christen und Juden, sagte Käßmann nach einem vorab verbreiteten Redetext am Sonntag in einem Auftakt-Gottesdienst zur niedersächsischen "Woche der Brüderlichkeit" in Stade. Sie steht unter dem Motto "Prüfet alles, das Gute behaltet".

Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU) rief während des von Deutschlandfunk und Deutscher Welle live übertragenen Gottesdienstes zu Frieden und Versöhnung auf. Dazu seien der Glaube an Gott und die Liebe zum Land nötig, sagte er laut einem ebenfalls vorab veröffentlichten Redetext. Der Segen Gottes gebe die Kraft, auf dem Weg der Versöhnung weiter zu gehen. Die Liebe zum Land sei wichtig, um auch in Zukunft die Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren und ihre Abgründe ertragen zu können.

In ihrer Predigt nannte die Bischöfin Judentum und Christentum die Wurzeln des Wertesystems in Deutschland. Es sei wichtig, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu respektieren. Wer diese Wurzeln kappe, bewege sich auf einen luftleeren Raum der Wertefreiheit zu, warnte die leitende Theologin der größten evangelischen Landeskirche. Das führe zu einem Verlust an Halt und Orientierung. Doch nur wer sich seiner eigenen Wurzeln sicher sei, könne auch prüfen, was selbst ernannte Propheten wie die NPD von sich geben. "Hier brauchen vor allem junge Leute ein klares Urteilsvermögen."

Die "Woche der Brüderlichkeit" wird seit 1951 jährlich bundesweit veranstaltet und soll zur Verständigung zwischen Juden und Christen beitragen. In zahlreichen Veranstaltungen wird für Toleranz, Mitmenschlichkeit und für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus geworben. (epd Niedersachsen-Bremen/b0732/04.03.05)

Texte im Wortlaut
Die Predigt der Landesbischöfin wie auch das Grußwort des Landtagspräsidenten stehen im Original auf der -> Website des Sprengels Stade .