Proteste gegen Auftritt Michel Friedmans beim Kirchentag

Nachricht 03. März 2005

Hannover (epd). Zahlreiche Kirchenmitglieder protestieren mit Leserbriefen und Aufrufen gegen den geplanten Auftritt des TV-Moderators und Juristen Michel Friedman auf dem Kirchentag im Mai in Hannover. "Aus vielen Anrufen und Mails weiß ich, dass Friedmans Teilnahme viele Menschen irritiert", sagte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann am Donnerstag dem epd. Die Freiheit des Kirchentages, Einladungen auszusprechen, sei ein hohes Gut. Im Fall Friedman müsse dann jedoch das Thema Zwangsprostitution mit ihm auf dem Kirchentag diskutiert werden.

Friedman (49), der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Mitglied im CDU-Parteivorstand war, hatte 2003 alle öffentlichen Ämter niedergelegt. Er war im Zuge von Ermittlungen gegen eine ukrainische Gruppe von Frauenhändlern ins Visier der Justiz geraten. Wegen illegalen Kokainbesitzes war ein Strafbefehl über 17.400 Euro gegen ihn erlassen worden.

Die Bischöfin sagte, die Reaktionen zeigten, dass die Menschen auf Friedman besonders sensibel reagierten. Sie hielten ihm vor, er habe in seiner Talkshow immer besonders hohe moralische Maßstäbe angelegt und andere danach beurteilt. Zu den Vorwürfen, im Milieu von Frauenhändlern verkehrt zu haben, habe er ihres Wissens jedoch nie öffentlich Stellung genommen, sagte Käßmann, die sich schon lange mit dem Thema Zwangsprostitution beschäftigt.

Kirchentagssprecher Rüdiger Runge (Fulda) bestätigte, dass es "erheblichen Unmut" gebe. Die Frage, ob man Friedman wieder ausladen werde, stelle sich im Moment aber nicht. Friedman soll am 28. Mai an einem Hauptpodium "Die Macht der Wahrheit" des viertägigen Protestantentreffens teilnehmen, auf dem Juden, Christen und Muslime miteinander diskutieren.

Eine Podiumsdiskussion des Kirchentags mit Friedman am vergangenen Dienstagabend in Hannover hatte ebenfalls für Proteste gesorgt. Besonders die niedersächsische Frauen-Union der CDU hatte die Kirchentagsleitung dazu aufgefordert, ihn als Redner wieder auszuladen. In einem offenen Brief hieß es: "Wie kann jemand, der sich von ukrainischen Menschenhändlern gezwungene Prostituierte auf das Zimmer bestellt, sich glaubwürdig in seiner solchen Wertediskussion äußern?" Die Frauen kündigten an, jeden weiteren Auftritt Friedmans zu verhindern.

Nach Angaben der hannoverschen Landeskirche ist es bereits vereinzelt zu Kirchenaustritten gekommen. Hannoveraner hätten ihre Zusage zurückgezogen, Betten für Kirchentags-Gäste zur Verfügung zu stellen. (epd Niedersachsen-Bremen/b0718/03.03.05)

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