Landesbischöfin für Ethik-Diskussion über Nutztiere

Nachricht 03. März 2005

Braunschweig (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat eine öffentliche Diskussion über eine "tiergerechte Haltung" und eine "Ethik der Grenze" angeregt. Vor über 300 Agrar-Wissenschaftlern forderte sie am Mittwochabend in Braunschweig dazu auf, Nutztiere nicht nur unter merkantilen Gesichtspunkten zu betrachten, sondern auch immer das Mitgeschöpf zu sehen.

Mit dem Kriterium der "Tiergerechtigkeit" werde genauer als mit dem Begriff "Artgerechtigkeit" beschrieben, wie bestimmte Haltungsformen dem Tier besseren Schutz vor Schmerzen, Leiden und Schäden bieten. "Schon die bloße Wahrscheinlichkeit haltungsbedingter Schmerzen und Leiden macht eine schonendere Haltungsform zur Pflicht", sagte Käßmann in ihrem Vortrag "Ethik und Nutztierhaltung", den sie bei der 7. Internationalen Tagung Bau, Technik und Umwelt in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung hielt.

Die Landesbischöfin sprach sich in diesem Zusammenhang für ein Verbot des Schächtens aus. Das sei für sie kein Gebot religiöser Freiheit, sondern Tierquälerei, sagte sie.

Tierhaltung sei mehr als nur die Einhaltung von Gesetzen. Es werfe auch immer ein Schlaglicht auf die eigene Haltung als Mensch. Nach dem massenhaften Keulen von Schweinen und der BSE-Krise hätten die Menschen in der Landwirtschaft getrauert wie bei einem Todesfall in der Familie, weil sie in den Tieren doch mehr als nur "Großvieheinheiten" sahen.

Der Mensch trage angesichts der Möglichkeiten, die die Gentechnik bietet, bei der Tierzucht eine zusätzliche Verantwortung. Züchtung als besondere Form der Tiernutzung müsse Grenzen beachten, die Erfordernisse des Lebensraums und der selbstständigen Lebensfähigkeit der Tiere berücksichtigen. Das Überspringen der Artengrenze von Tieren auf den Menschen, wie sie bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und der Vogelgrippe auftreten, mahne zusätzlich zur Vorsicht. (epd
Niedersachsen-Bremen/b0716/03.03.05)
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