Landesbischöfin spendet für Zwangsprostituierte aus Osteuropa

Nachricht 17. Februar 2005

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat 8.682 Euro für ein Projekt von "KOBRA", der Beratungsstelle für die Opfer von Frauenhandel in Hannover, gesammelt. Die hannoverschen Soroptimistinnen kündigten am Donnerstag an, dass sie die Summe auf 10.000 Euro aufstocken wollen. Damit will "KOBRA" für ein Jahr zwei Streetworkerinnen beauftragen, sich um ausländische Zwangsprostitutierte in der Landeshauptstadt zu kümmern.

Der Bischöfin zufolge gehen in Deutschland eine Million Männer pro Tag zu Prostituierten. Vor allem das Problem der Zwangsprostitution treibe sie seit langem um, sagte Käßmann dem epd. Sie frage sich oft, wie deutsche Frauen, die in Freiheit leben, den Ausländerinnen helfen können. "Sie leben illegal hier und erfahren Gewalt in unserem Land", kritisierte Käßmann. Als sie von dem geplanten KOBRA-Projekt hörte, über Streetworkerinnen Kontakt zu den Betroffenen herzustellen, habe sie dafür Spenden gesammelt.

KOBRA-Koordinatorin Theda Kröger sagte, die betroffenen Frauen würden meist von der Polizei an die Beratungsstelle vermittelt: "Sie können sich nur sehr selten selbst aus ihrer Situation befreien und wissen nicht, dass es Hilfe gibt." Es hänge von der Sensibilität der Beamten ab, ob diese bei Kontrollen die Frauen als Opfer von Menschenhandel erkennen. Viele würden aus Unwissenheit in Abschiebehaft genommen.

Die Streetworkerinnen, die die Prostituierten vor Ort aufsuchen werden, sollen Kontakte und Vertrauen zu den Frauen aufbauen und die Hilfsangebote unter ihnen bekannt machen. Die Sozialarbeiterinnen sprechen Englisch, Spanisch, Russisch, Polnisch und Deutsch, sagte Kröger. KOBRA wird vom niedersächsischen Frauenministerium gefördert.

Die Soroptimistinnen (abgeleitet vom Lateinischen "Beste Schwestern") verstünden sich als weltweite Stimme von Frauen für Frauen.
Sie setzten sich besonders für Menschenrechte und die Verbesserung der Stellung der Frau ein, sagte Marie-Luise Brümmer vom Club Hannover.
Soroptimist International ist nach eigenen Angaben mit rund 95.000 Mitgliedern und etwa 3.000 Clubs in 123 Ländern die größte internationale Serviceorganisation berufstätiger Frauen. (epd
Niedersachsen-Bremen/b0563/17.02.05)
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