Lutherischer Weltbund: Lutheraner legen vor allem in Afrika und Asien zu

Nachricht 16. Februar 2005

G e n f / H a n n o v e r (idea) – In Afrika und Asien haben die lutherischen Kirchen im vergangenen Jahr unter dem Strich Mitglieder gewonnen. In Amerika, Australien und Europa – mit Ausnahme der Niederlande - stagnieren oder sinken die Zahlen meist. Nach Angaben des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Genf gibt es weltweit rund 69,5 Millionen Lutheraner, 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast 95 Prozent werden durch den LWB repräsentiert. Dessen 138 Mitgliedskirchen haben knapp 66 Millionen Mitglieder, 5,8 Prozent mehr als im Jahr 2003. Bei den 29 Kirchen, die dem theologisch konservativen Internationalen Lutherischen Rat (ILC) angehören, sowie einigen freien lutherischen Kirchen ging die Mitgliederzahl um 60.000 auf 3,6 Millionen zurück. Durch missionarische Anstrengungen erhöhte sich die Zahl der afrikanischen Lutheraner um acht Prozent auf 14,1 Millionen. Damit haben die dortigen Kirchen 2004 über eine Million Mitglieder hinzugewonnen. Die regionale Entwicklung ist unterschiedlich: Jeweils 500.000 Zugänge verzeichneten die Lutheraner in Madagaskar und Tansania, während mehrere südafrikanische Kirchen bis zu 23 Prozent Minus registrierten. In Asien ging es um 0,9 Prozent nach oben. Dort gibt es jetzt 7,4 Millionen Lutheraner. Die Zahl der lateinamerikanischen Lutheraner sank leicht auf 1,1 Millionen. In den USA verlor die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika 115.000 Mitglieder und hat jetzt knapp fünf Millionen. Sie ist nach der Schwedischen Kirche (7,2 Millionen) die zweitgrößte Mitgliedskirche im LWB. Die Lutherische Kirche - Missouri-Synode (USA und Kanada), die nicht Mitglied des LWB ist, registrierte einen Verlust von 51.000 Personen und hat jetzt knapp 2,5 Millionen Mitglieder.

Europa: Wachstum durch Aufnahme reformierter Kirchenmitglieder

In Europa ist das siebenprozentige Wachstum auf 38,6 Millionen Kirchenmitglieder vor allem auf den Zusammenschluß von drei niederländischen Kirchen zurückzuführen. Die Evangelisch-Lutherische Kirche, die früher 14.000 Mitglieder hatte, vereinigte sich mit der Niederländisch-Reformierten Kirche (1,9 Millionen Mitglieder) und der Reformierten Kirche in den Niederlanden (650.000) zur Protestantischen Kirche in den Niederlanden. Daraus ergibt sich die Besonderheit, daß 2,55 Millionen reformierte Kirchenmitglieder dem LWB angehören. Auch die im vergangenen Jahr in den LWB aufgenommene Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder in der Tschechischen Republik mit 124.000 Mitgliedern vereint lutherische und andere reformatorische Traditionen.

Deutschland hat die meisten Lutheraner in der Welt

Trotz einer Abnahme um fast 160.000 ist Deutschland weiter das Land mit den meisten Lutheranern. Im vergangenen Jahr hatten die acht Mitgliedskirchen der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sowie acht weitere lutherische Kirchen insgesamt 13,1 Millionen Mitglieder, rund 500.000 weniger als zwei Jahre zuvor. Den höchsten Verlust verzeichnete die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche: Ihre Mitgliederzahl sank um knapp 2,7 Prozent auf unter 2,2 Millionen.

Leitender VELKD-Bischof: Rückgang ist kein Naturgesetz

„Mit großer Freude“ reagierte der Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des LWB, der Schleswiger Bischof Hans Christian Knuth, auf die Zuwächse: „Das Luthertum hat weltweit Zukunft.“ Für besonders bemerkenswert hält Knuth – auch Leitender Bischof der VELKD – die Aufwärtsentwicklung in Afrika, da sich dort das Christentum von dem ebenfalls wachsenden Islam herausgefordert sehe. Aber auch der Zuwachs in Schweden zeige, daß Rückgang kein Naturgesetz sei. Die Kirchen im Ursprungsland der Reformation sollten von Afrikanern lernen, „das Evangelium mit Hingabe und Freude zu verkündigen“. (021/2005/4)

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