Landesbischöfin fordert Ende der Wehrpflicht

Nachricht 09. Februar 2005

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat ein Ende der Wehrpflicht und den Ausbau des Freiwilligen Sozialen Jahres gefordert. "Inzwischen werden mehr junge Männer zum Zivildienst herangezogen als zur Wehrpflicht, das ist nicht gerecht", sagte sie am Dienstagabend bei der Aufzeichnung der Fernseh-Talkshow "Tacheles" in der Marktkirche in Hannover. Die Bundeswehr sollte zur Freiwilligenarmee umgebaut werden. Das Geld für den Zivildienst könne dann für freiwillige soziale Dienste zu Verfügung gestellt werden.

Ein Pflichtjahr für alle lehnte die evangelische Bischöfin ab: "Wir können alten Menschen in Heimen niemanden zumuten, der sagt: Ich stehe hier aus Pflicht." Die sozialen Einrichtungen bräuchten voraussichtlich drei bis vier Jahre, um sich auf ein neues System umzustellen. Kritisch äußerte sich die Bischöfin zu Einsätzen der Bundeswehr im Ausland. Die Armee sei zur Landesverteidigung da. Käßmann ist Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Reinhold Robbe (SPD), plädierte dagegen für die Wehrpflicht: "Sie hat dazu beigetragen, unser Solidarsystem positiv zu beeinflussen." Robbe verteidigte Auslandseinsätze der Bundeswehr wie in Afghanistan. Der internationale Terrorismus und die organisierte Kriminalität hätten die Bedrohungslage verändert: "Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt." Die Bürger erwarteten ein höchstmögliches Maß an Sicherheit.

Auch der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Christian Schmidt, stellte sich hinter die Wehrpflicht: "Aus der Wehrpflicht entstehen Reservisten, die man aktivieren kann, wenn Not am Mann ist." Für Schmidt muss die Bundeswehr etwa im Kampf gegen schwer bewaffnete Terroristen auch Aufgaben der inneren Sicherheit übernehmen, für die die Polizei nicht ausgerüstet ist.

Die Soldatin Hauptmann Katja Roeder sprach sich in der Debatte gegen ein Pflichtjahr für Frauen aus. "Das wäre eine doppelte Belastung", sagte sie. Frauen kümmerten sich überwiegend um die Erziehung der Kinder und leisteten damit bereits einen Dienst für die Gesellschaft. Roeder ist die erste Frau im Vorstand des Bundeswehrverbandes. Die Talkshow wird am 10. Februar um 16.30 Uhr und am 12. Februar um 22.15 Uhr auf dem Dokumentationskanal "Phoenix" ausgestrahlt. (Internet: www.tacheles.net) (epd Niedersachsen-Bremen/b0454/09.02.05)
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