Bischof Valentin und der Segen für die Liebe

Nachricht 07. Februar 2005

An immer mehr Orten wird am 14. Februar Gottesdienst gefeiert

Von Karen Miether (epd)

Lüneburg (epd). Als Helena Kaletta ihrem Ehemann das Jawort gab, staunte der Standesbeamte. Schon vor der Trauung hatten Mann und Frau denselben Nachnamen. Anderthalb Jahre war das Paar geschieden, bevor es wieder zueinander fand und zum zweiten Mal heiratete. In einem Gottesdienst am Valentinstag in Lüneburg will die 35-Jährige davon erzählen, wie sie nach der Trennung Wehmut empfand und entdeckte: "Ich liebe ihn doch."

Zu dem ökumenischen Segnungs-Gottesdienst am 14. Februar in der Lüneburger St.-Marien-Kirche laden die evangelische und die katholische Kirche alle Menschen ein, "die partnerschaftlich verbunden sind". Wer mag, kann als Paar oder einzeln nach vorne treten, sich die Hand auflegen und den Segen zusprechen lassen. Im Gottesdienst wirken Menschen wie das Ehepaar Kaletta mit, die von ihrer Liebe erzählen und anderen Mut machen wollen.

Der Erfurter Dompfarrer Reinhard Hauke initiierte im Jahr 2000 in Erfurt den ersten ökumenischen Segnungsgottesdienst. "Auslöser war die Frage, wie man junge Menschen für Ehe- und Familie begeistern kann", sagt er. "Der Valentinstag war ein willkommenes Datum, weil da alle Welt über Partnerschaft spricht." In Varianten werden die Gottesdienste mittlerweile in vielen Orten in Deutschland und auch der Schweiz begangen.

Die Feiern erinnerten an diese Wurzeln des Valentinstages, sagt der katholische Diakon Martin Blankenburg, der die Idee nach Lüneburg gebracht hat. Der Legende nach lebte im 3. Jahrhundert Bischof Valentin im italienischen Terni. Er soll heimlich Sklaven und Soldaten getraut haben, die damals nicht heiraten durften. Auch wenn Eltern mit der Liebeswahl ihrer Kinder nicht einverstanden waren, hatte der Bischof ein Herz für die Liebenden.

Am Segnungsgottesdienst können Menschen unabhängig von ihrer Kirchenzugehörigkeit teilnehmen. Auch danach, ob ein Paar einen Trauschein hat oder sich in anderer Weise verbunden fühlt, wird nicht gefragt. "Menschen, die sich nach Liebe sehnen, oder unglücklich Verliebte sind ebenfalls eingeladen", sagt Blankenburg. Wer in einer Beziehung "die Liebe nicht mehr spürt, kann um neue Impulse bitten".
Die offene Form des Gottesdienstes begleite Menschen in ihren Lebenssituationen.

Die Lüneburger Ehe- und Lebensberaterin Hildegard Wellendorf gestaltet den Gottesdienst mit. Sie weiß aus ihrer Tätigkeit, wie gefährdet Partnerschaften oft sind und wie sehr sich Menschen danach sehnen, dass sie gelingen. "Vor anderen zu zeigen, wir gehören zusammen, und um Gottes Segen zu bitten, das wünschen sich viele", sagt sie.

"Der Segen war besonders mir gläubigem, aber kirchenfernen Liebenden wichtig", schreibt ein Mann als Dank für die Lüneburger Feier im vergangenen Jahr. "Ich danke dir, Gott, dass ich nach großem Verlust trotz vorgerücktem Lebensalter einen Neuanfang mit einer Partnerin erleben darf", äußert sich ein anderer. Und wieder jemand lobt, dass "Valentin nicht in kitschigen Plüsch-Herzen und roten Rosen-Lichterketten seinen Ausdruck erfährt". (epd
Niedersachsen-Bremen/b0409/07.02.05)
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