Epiphaniasempfang der Landeskirche

Nachricht 07. Januar 2005

(epd). Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat trotz der Trauer über die Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien zur Zuversicht aufgerufen und für das Jahr 2005 eine Zukunftsdiskussion für Niedersachsen angekündigt. Dabei werde es um die Lebensqualität, die Kinder- und die Familienfreundlichkeit in zehn bis 15 Jahren gehen, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im Kloster Loccum beim Epiphaniasempfang der evangelischen Landeskirche Hannovers.

Nach den Worten des Ministerpräsidenten zeigen die aktuellen Ereignisse, dass die Welt in einer Umbruchphase sei und zum globalen Dorf werde. Darauf müsse die Politik reagieren. Die Landesregierung werde Anfang März in Loccum in eine Zukunftsklausur gehen und dazu hochangesehene Experten einladen, kündigte Wulff an.

Landesbischöfin Margot Käßmann setzte sich in ihrer Rede für eine durchgreifende Verbesserung des Bildungs- und Erziehungssystems ein. Vor allem müsse sich die Situation junger Familien deutlich verbessern, forderte die Theologin. Die Zahlen über das gestiegene Armutsrisiko stimmten mehr als nachdenklich. In den Debatten sollten Kinder als Lebensglück beschrieben werden. Sie seien viel mehr als ein demographischer Faktor und eine wirtschaftliche Belastung.

Als besonderes Ereignis im Jahr 2005 nannte Käßmann den 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover mit der Losung "Wenn dein Kind dich morgen fragt". Als evangelische Zeitansage stelle der Kirchentag damit die Frage nach Werten, Orientierung und Verantwortung. Genau das seien die Herausforderungen am Anfang des 21. Jahrhunderts.

Landesbischöfin Käßmann und ihr Vorgänger und Abt zu Loccum Horst Hirschler hatten zum traditionellen Empfang 120 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche und Wirtschaft eingeladen. Die Katastrophe in Asien überschattete das Treffen. Wulff sagte: "Wir alle sind zutiefst ergriffen und bewegt von den unfassbaren Bildern und Ereignissen." Den Kirchen und der Politik falle es gleichermaßen nicht leicht, Antworten auf die Fragen zu finden, die derzeit die Menschen bedrückten.

Käßmann sagte, wenn es Hoffnung in der Katastrophe gebe, dann müsste endlich die Bereitschaft wachsen, den Nord-Süd-Konflikt ernsthaft wahrzunehmen. Wörtlich fügte die Landesbischöfin hinzu: "Ich wünsche mir, dass wir aus dem Wohlstandstraum der leicht deprimierten Übersättigung aufwachen und endlich, endlich das Thema weltweite Gerechtigkeit auf die Tagesordnung setzen." Dabei erinnerte Käßmann an frühere Beschlüsse, 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes für Entwicklungshilfe zu investieren und die Zahl der Armen bis zum Jahr 2015 zu halbieren. (epd Niedersachsen-Bremen/b0060/06.01.05)
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