Aufruf der Landesbischöfin

Nachricht 30. Dezember 2004

Hannover, 29. Dezember 2004

In Südostasien hat sich eine Naturkatastrophe unvorstellbaren Ausmaßes ereignet, die viele an die biblischen Bilder von der Sintflut erinnert. Die Zahl der Toten und Verletzten ist kaum zu begreifen. Zehntausende haben Familienangehörige und alles Hab und Gut verloren.

Es schockiert viele Menschen in unserem Land, dass hiervon auch Touristen betroffen sind, entsetzlicherweise offenbar sogar eine steigende Zahl von Toten unter ihnen zu beklagen ist. Oft fern wirkende Ereignisse kommen auf diese Weise in unserer globalisierten Welt sehr nah, furchtbar nah. Bei der Berichterstattung der vergangenen Tage beschleicht manche aber auch ein Unbehagen mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit, wenn einzelne Urlauber über verlorenes Gepäck klagen, während die Einheimischen ihre ganze Existenz verloren haben. Jedes Menschenleben ist in den Augen Gottes gleich viel wert. Auf erschütternde Weise verbindet die Tragödie Menschen über nationale und politische Grenzen hinweg. Ich hoffe sehr, dass dies auch bei der Hilfe der Fall sein wird. Seit vielen Jahren gibt es die Aktion „Brot statt Böller“. Sie scheint mir in diesem Jahr dringender denn je. Ich kann mir nicht vorstellen, fröhlich in die Luft zu ballern, um das neue Jahr zu begrüßen, während am anderen Ende der Welt Menschen zu Zehntausenden ihre Toten betrauern, ums Überleben kämpfen, einer verheerenden Seuchengefahr ausgesetzt sind.

Wo ist Gott in diesen Stunden, fragen viele. Nach christlichem Glauben ist Gott bei denen, die leiden, die trauern, die in Angst und Sorge sind in Asien wie in Europa. Und Gott zeigt sich auch in Menschen, die füreinander beten, füreinander einstehen, Nächstenliebe praktizieren. So bitte ich alle in unserer Landeskirche, in den Gottesdiensten am Silvesterabend und am Neujahrsmorgen eine Schweigeminute für die Opfer der Flutkatastrophe einzuhalten, sie in die Fürbitte aufzunehmen und statt Böller zu kaufen, über die Gottesdienstkollekten und Spenden die Hilfe des Diakonischen Werkes in den Krisengebieten zu ermöglichen. Ich bin überzeugt, auch unsere Kinder werden verstehen, wenn der Himmel am 31.12. nicht bunt glitzert, denn auch sie verfolgen ja die Nachrichten ebenso betroffen wie wir.

Konto für Spenden:
Diakonie-Katastrophenhilfe, Konto 502707, bei der Postbank Stuttgart (BLZ 600 100 70), Kennwort "Erdbeben Südasien".

Informationen und Online-Spenden unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de