Seemannsmission bringt Weihnachtsstimmung an Bord

Nachricht 23. Dezember 2004

Telefonkarten helfen den Seeleuten zum Kontakt mit der Familie

Von Jörg Nielsen (epd) =

Emden (epd). Ein bisschen Weihnachtsstimmung weht durch die kleine Kajüte des Stückgutfrachters "Jan Willem" im Emder Hafen. Schüler der Klasse 5a der Realschule Altes Amt in Friedeburg sind zu einer vorzeitigen Bescherung mit Seemannspastor Meenke Sandersfeld an Bord gekommen. Die Schüler haben selbstgebackene Kekse für die Seeleute mitgebracht, und der Pastor verteilt Tee und Telefonkarten der Seemannsmission. Da fällt es den hartgesottenen Männern aus der Ukraine, Russland und Litauen schon schwer, ihre Rührung zu verstecken und "Haltung" zu bewahren.

Eine knappe viertel Stunde später müssen die Kinder wieder von Bord.
Die Kaffeepause ist vorbei, und die Männer müssen wieder an die Arbeit.
"Da geht an Bord jetzt das große Heimweh los", sagt Sandersfeld. Fast alle Besatzungsmitglieder haben Familie. Seit einem halben Jahr haben sie ihre Angehörigen nicht mehr gesehen, und es werden noch weitere drei Monate vergehen, bis sie wieder in ihre Heimat fliegen können. Da kann Weihnachten ganz schön schwer zu verkraften sein, so der Pastor.

"In den Gesprächen an Bord geht es immer wieder um die Einsamkeit und das Heimweh", berichtet Sandersfeld. Manchmal kommen die Leute oft Monate lang nicht dazu, ihre Familien anzurufen. Auf kleineren Schiffen wie der Jan Willem mit nur sechs Mann Besatzung ist es besonders schwer, Zeit und Gelegenheit für ein Telefonat zu finden.

Und wenn die Männer es doch einmal schaffen, das Schiff und das Hafengebiet für einige Stunden zu verlassen, "ja, dann braucht man auch erst mal wieder etwas Mut, um daheim anzurufen", weiß der Pastor. Wegen der Zeitverschiebung ist es in der Heimat meist Nacht. "Da ist die Ehefrau oft nicht so gut gelaunt, wenn der Mann nach Monaten um drei Uhr morgens anruft und dabei auch noch die Kinder weckt. Da gibt dann schnell ein Wort das andere". Doch bis zum nächsten Gespräch kann es wieder Monate dauern.

Da ist dann das bisschen Geld schneller für ein paar Bier als für eine weitere Telefonkarte ausgegeben. Doch mit der Karte der Seemannsmission in der Tasche rufen sie dann vielleicht doch noch einmal an, hofft Sandersfeld. Denn ist das Schiff erst einmal ausgelaufen, ist es zu spät. Nur die großen nordeuropäischen Reeder gestatten der Besatzung, das Satellitentelefon zu benutzen.

"Wir wollen, dass die Männer den Kontakt mit ihren Familien halten.
Das hilft ihnen am meisten auf den Reisen", sagt der Pastor. Um weiter Telefonkarten der Seemannsmission verschenken zu können, ist Sandersfeld auf Spenden unter dem Stichwort "Seemannsmission" auf das Konto 2 51 97 bei der Sparkasse Emden (BLZ 284 500 00) oder auf das Konto 1 00 7212 800 bei der Ostfriesischen Volksbank in Emden (BLZ 285 900 75) angewiesen. (epd Niedersachsen-Bremen/b3746/21.12.04)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen