Landesbischöfin: Warum musste Maria unbedingt Jungfrau sein?

Nachricht 17. Dezember 2004

Hannover (epd). Das große Geheimnis von Weihnachten sei, dass Gott als Kind in der Krippe zu den Menschen gekommen sei, sagte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann am Donnerstagabend in Hannover. Sie habe nie verstanden, warum Maria als Mutter von Jesus in der biblischen Überlieferung unbedingt Jungfrau sein musste. "Wenn Gott wahrer Mensch wurde, steht für mich der normalen Empfängnis und Geburt nichts im Wege", sagte die evangelische Bischöfin in der Marktkirche.

In den ältesten Überlieferungen im Neuen Testament sei die Rede von Jungfräulichkeit im sexuellen Sinn noch völlig unbekannt, betonte Käßmann. Auch der jüdischen Glaubenswelt sei dieser Gedanke eher fremd gewesen. Erst mit der griechischen Philosophie und ihrem Einfluss auf christliches Denken sei die Jungfrauenschaft so wichtig geworden. Damit sei auch ausgeblendet worden, dass Jesus Geschwister hatte, die in der Bibel klar genannt worden seien.

Dennoch könne sie sich mit dem Glaubensbekenntnis "geboren von der Jungfrau Maria" gut identifizieren, sagte Käßmann: "Ich denke dabei nicht an Jungfräulichkeit im sexuellen Sinn, sondern an eine mutige junge Frau, die offen war für das, was Gott mit ihr vor hatte." Maria sei für sie eine Frau, die auf wundersame Weise die Mutter des Gottessohnes wurde. Es sei immer ein Gottesgeschenk, wenn Leben zur Welt komme. (epd Niedersachsen-Bremen/b3727/17.12.04)
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