Psychologen geben Tipps für stressfreie Weihnachten

Nachricht 14. Dezember 2004

Lüneburg (epd). Das Weihnachtsfest bringt nach Ansicht von Lebensberatern für viele Menschen Stress und Konflikte mit sich. "An den Feiertagen werden der Zusammenhalt von Familie, Frieden und Versöhnung propagiert, tatsächlich aber wird relativ häufig gestritten", sagte Wolfram Möller, Psychotherapeut am Evangelischen Beratungszentrum in Celle am Dienstag. Nach seinen Beobachtungen steigen ab Mitte November die Anmeldezahlen bei Ehe- und Lebensberatern.

Auch der Leiter der Evangelischen Lebensberatung in Walsrode Hartmut Schäfer-Erhardt berichtete, dass es von Januar bis März eine starke Nachfrage nach Hilfe in Beziehungs- und Lebenskrisen gebe: "Sie liegt um 30 Prozent höher als im übrigen Jahr." An den Feiertagen reiften Entscheidungen, aber auch Konflikte, erläuterte der Diplom-Psychologe.

"Die Erwartungen an Weihnachten sind oft sehr hoch", sagte die Leiterin der Evangelischen Ehe- und Lebensberatung in Lüneburg, Sigrun Atzler. Verwandte wollten besucht werden, das Essen müsse perfekt sein.
Für Gemütlichkeit bleibe da nicht mehr viel Platz, gewünscht sei sie dennoch. "Es muss auch erlaubt sein, mal eigene Wege zu gehen", sagte Atzler. So wollten Jugendliche oft auch Zeit mit Freunden verbringen.

Die Psychologen raten, über Erwartungen zu sprechen und darauf gefasst zu sein, dass nicht alles nur harmonisch ist. "Wenn Menschen drei Tage aufeinanderhocken, sind den Streitereien Tor und Tür geöffnet", sagte Möller. Ein voller Bauch und Alkohol förderten dies noch. "Keinesfalls sollten dann plötzlich alte Konflikte auf den Tisch gepackt werden, über die das ganze Jahr nicht gesprochen wurde."

Vor allem Menschen in Krisensituationen sollten Weihnachten so früh wie möglich planen, betonte Schäfer-Erhardt. Eltern, die sich getrennt haben, müssten zum Beispiel klären, wie das Fest gefeiert werden kann.
Auch Alleinstehenden könne es helfen, sich eine Zeitstruktur zurechtzulegen und gezielt Aktionen zu planen, erläuterte Wolfram Möller. Nur wenigen gelinge es, "den Panzer herauszuholen und zu sagen, das ist ein Tag wie jeder andere."

Statt sich mit immer größeren Ansprüchen an Geschenke unter Druck zu setzen, sollten Menschen einfach mal Zeit verschenken, rät Schäfer-Erhardt. Möllers Tipp gegen Stress lautet ebenfalls, sich Konsumzwängen zu entziehen und sich wieder auf den Sinn von Weihnachten als Fest der Geburt Jesu Christi zu besinnen. Für schnelle Hilfe bei Krisen an den Feiertagen empfehlen die Berater einen Anruf bei der Telefonseelsorge unter der kostenfreien Rufnummer 0800/1110111. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3675/14.12.04)

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