Landesbischöfin: Traurig und zornig über Alexander Lukaschenko

Nachricht 19. November 2004

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat traurig und zornig auf die Ankündigung des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko reagiert, die Reisefreiheit für Minderjährige abzuschaffen. "Mich macht fassungslos, wie sich hier ein selbstherrlicher Politiker an Kindern vergreift", sagte Käßmann am Freitag dem epd. Seit 1990 sind in der hannoverschen Landeskirche jedes Jahr rund 1.000 Kinder aus Weißrussland zu Gast, um sich von den Spätfolgen der Atomreaktor-Katastrophe von Tschernobyl zu erholen.

"Wer einmal die Kinder vom Flughafen abgeholt hat und sehen konnte, wie sie nach ihrem Aufenthalt gestärkt, erholt und voller Hoffnung wieder nach Hause reisen, kann Lukaschenkos Ankündigungen nur als zynisch bezeichnen", sagte die Bischöfin. Es sei für sie immer bewegend gewesen, wie durch die Aktion "Hilfe für Tschernobyl-Kinder"
Völkerverständigung gewachsen sei.

Lukaschenko plant, Kinder nur noch in Ausnahmefällen eine Auslandsreise zu genehmigen, weil sie bei Aufenthalten im Westen mit den schädlichen Werten der westlichen Konsumgesellschaft konfrontiert würden. Käßmann betonte, dass durch diese Äußerungen einem ehrenamtlichen Engagement aus christlicher Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit brutal der Boden entzogen werde: "Gewachsenes Vertrauen, das wir in Europa dringend brauchen, wird beschädigt. Vor allem werden die Kinder darunter leiden."

Nach Angaben der Landeskirche gelten in der verstrahlten Region Gomel nur sechs Prozent der Kinder als gesund. Die Krebserkrankungen stiegen weiter an, begleitet von zahlreichen anderen schweren Krankheiten wie Jugenddiabetes und Immunschwäche. Rund 600 Gastfamilien aus ganz Niedersachsen hätten in jedem Jahr die Kinder bei sich aufgenommen und liebevoll betreut. Allein in diesem Sommer seien außerdem 1,8 Tonnen an Medikamenten in die verstrahlte Region geschafft worden. (epd Niedersachsen-Bremen/b3406/19.11.04)

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