Journalistische Anerkennung für schwierige Themen

Nachricht 19. November 2004

Niedersächsischer Hörfunkpreis geht an Oldenburger ekn-Redakteur

Von Jörg Nielsen (epd)

Oldenburg (epd). Wenn Wolfgang Stelljes vom Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) mit dem blauen Mikrofon auftaucht, dann geht es meist um Themen, um die andere Journalisten gerne einen Bogen machen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Angela Behrens (37) hat der 47-Jährige aus Oldenburg wieder einmal den Niedersächsischen Hörfunkpreis gewonnen. Ihr Thema lautete: "Wenn Kinder sterben". Am Donnerstagabend haben sie von der Landesmedienanstalt in Hannover ihren Preis erhalten.

"Wenn Kinder sterben" ist ein Hörfunkfeature in vier Teilen, dass auf Radio ffn gesendet wurde. Behrens berichtete aus dem neuen Kinderhospiz Löwenherz bei Syke. Stelljes besuchte die Körperbehinderten-Schule Borchersweg und das Elisabeth-Kinderkrankenhaus in Oldenburg.

"So ein Thema lässt einen nicht unberührt", sagt Stelljes. Eine Kinderpsychologin erklärte ihm, dass todkranke Kinder, in dem Wissen, dass sie sterben müssen, oft versuchen, ihre Eltern zu trösten. "So etwas geht schon an die Nieren", sagt der zweifache Vater. In der Laudatio wurde besonders betont, dass es Stelljes und Behrens "durch Sensibilität in Sprache und Wortwahl, aber auch durch eine besondere emotionale Nähe" gelungen sei, das Leid der Betroffenen ohne Sensationshascherei fühlbar zu machen.

Den Hörfunkpreis für "Wenn Kinder sterben" zu bekommen, sei schon etwas Besonderes, sagt Stelljes: "Für mich ist es eine Anerkennung der Arbeit mit solchen Themen." Das Leben bestehe eben aus viel mehr Facetten als nur aus Musik und Spaß. Das gelte auch für die Hörer von Radio ffn: "Deshalb sind wir gern auch ein bisschen das soziale Gewissen des Privatfunks."

Der Kirchenfunk ist kein Radiosender, sondern eine Hörfunkagentur, die vor allem für die privaten landesweiten Hörfunkprogramme wie Radio ffn, Hit-Radio-Antenne Niedersachsen und Radio 21 Wortbeiträge von hoher journalistischer Qualität produziert.

Ob das soziale Gewissen indes von Radio ffn weiterhin gewünscht wird, da hat ekn-Chefredakteur Tobias Glawion seine Zweifel: "Mit Blick auf die momentan anstehenden Lizenzverlängerungen von Radio ffn bin ich mir nicht sicher, ob diese breit angelegte journalistische Berichterstattung weiter vom Sender gewünscht ist." Zwar habe der Sender einen neuen Lizenzantrag gestellt, aber bislang noch keine abschließenden Gespräche mit den evangelischen und katholischen Kirchenredaktionen geführt.

In den vergangenen zehn Jahren ist ekn 19-mal mit dem Hörfunkpreis der Niedersächsischen Landesmedienanstalt ausgezeichnet worden. Dreimal ging der Preis an Stelljes. "Das Schwein, die Wurst und der Tierschutz" und "Zwangsarbeit im Oldenburger Land" hießen die beiden anderen Sendungen, für die der Hörfunkjournalist ausgezeichnet wurde. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3382/18.11.04)

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