Landesbischöfin fordert internationale Friedenstruppe

Nachricht 18. November 2004

Münster (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Schaffung einer internationalen Friedenstruppe mit Polizeifunktion und einen internationalen Strafgerichtshof gefordert. Armeen, die Kriege führten, dabei Menschen folterten und Frauen vergewaltigten, seien zu verurteilen, sagte die prominente evangelische Theologin am Donnerstagabend im westfälischen Münster.

Christen und Religionen müssten entschieden für Gerechtigkeit und Frieden eintreten. "Heilige Kriege gibt es nicht", betonte Käßmann laut vorab veröffentlichtem Predigttext bei einer Veranstaltung der Katholischen Fakultät an der Universität Münster.

Die Theologin warnte vor neuen militärischen Konflikten. Vor allem die Kinder seien heute Opfer der Kriege und zugleich Kämpfer mit der Waffe in der Hand, die zudem Folter, Leid und Vergewaltigung erleiden müssten. Sie erinnerte daran, dass die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit Kinder seien. Jedes Jahr suchten 28 Millionen Menschen im Ausland Asyl, weitere 30 Millionen seien Flüchtlinge im eigenen Land.

Viele Menschen hätten Angst vor Krieg und Sorge um den Frieden in der Welt, sagte die Bischöfin weiter. Der Glaube werde dabei von allen Seiten ganz neu instrumentalisiert, kritisierte sie angesichts der aktuellen Ereignisse im Irak und in den Niederlanden. Der Terrorismus könne jedoch nicht durch Krieg bekämpft werden. Käßmann verurteilte es aufs Schärfste, dass auch in Europa wieder Moscheen und Kirchen brennen: "Wer Gotteshäuser zerstört, will Glaubende angreifen, will sie tief treffen."

Religionen dürften Konflikte nicht länger verschärfen, sondern müssten endlich zu ihrer Lösung beitragen. Im Dialog zwischen den Religionen rief die Theologin dazu auf, vor allem über die unterschiedlichen Gottesbilder zu sprechen. Sie könne nicht begreifen, "wie jemand meint, im Namen Gottes hilflose Geiseln vor laufender Kamera ermorden zu dürfen". Käßmann predigte zur vierten Internationalen Theologischen Studienwoche zum Thema "Im Namen Gottes - Religion in politischen Konflikten".
(epd Niedersachsen-Bremen/b3383/18.11.04)