Landesbischöfin kritisiert Forderung nach islamischem Feiertag

Nachricht 17. November 2004

Hannover (epd). Integration von Ausländern ist nach Auffassung der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann ein zentrales gesellschaftliches Thema. Doch dabei dürfe nicht der christliche Glaube zur Disposition gestellt werden, sagte Käßmann am Mittwoch, dem Buß- und Bettag, in der hannoverschen Marktkirche: "Sind christliche Werte so bizarr für unser Land, dass sie neuerdings flugs durch andere ersetzt werden?", so Käßmann zu der Forderung des Grünen-Politikers Hans-Christian Ströbele nach einem staatlichen islamischen Feiertag in Deutschland.

Weniger als fünf Prozent der Menschen in Deutschland seien Muslime, davon seien weniger als zehn Prozent deutsche Staatsbürger. "Was hier mit dem schönen Schein der Integration verkauft wird, ist doch wohl eher Wahlkampf in Berlin-Kreuzberg", kritisierte Käßman. Sie vermisse den Respekt für die 66 Prozent der Bevölkerung, die einer christlichen Kirche angehörten.

Genauso wichtig wie die Integration sei die Achtung der Religion des anderen. Wer die Grundlagen der eigenen Gesellschaft über Bord werfe, zerstöre auch die Werte und Lebenshaltungen, in die integriert werden
solle: "Wohin denn, wenn wir nicht wissen, woher wir kommen und wer wir sind in diesem Land?", fragte die evangelische Bischöfin.

Die Kirchen seien häufig zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so Käßmann. Zwar gebe es berechtigte Sorgen über sinkende Einnahmen, weniger Mitglieder und abfällige Bemerkungen über den christlichen Glauben. Gleichzeitig seien die Herausforderungen riesig. Viele Menschen warteten auf Zuwendung und suchten nach Lebens-Perspektiven:
"Vielleicht bedeutet Buße in diesem Zusammenhang: standhaft sein.
Wissen, wo ich stehe, meinen Glauben auch als Geschenk ansehen, das mir Orientierung gibt."

Weiter sagte Käßmann, Deutschland werde nicht am Hindukusch verteidigt. Niemand brauche vermeintliche eigene Grenzen irgendwo in der Welt. Gefragt sei vielmehr eine Welt für alle, in der endlich Frieden gestaltet und nicht Krieg geführt werde. Gott sei kein Kriegsherr, sondern ein Friedensstifter: "Glauben meint den Mut, sich ganz und gar Gott anzuvertrauen, nicht Systemen oder Verteidigungslinien." Käßmann rief dazu auf, für Gerechtigkeit und Frieden einzutreten. Dies solle mit Gelassenheit, Hoffnung und auch Heiterkeit des Glaubens geschehen. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3359/17.11.04)


Landessuperintendent für Integration statt Feiertag

Stade (epd). Statt eines islamischen Feiertages braucht Deutschland nach Auffassung des Stader Landessuperintendenten Manfred Horch mehr Mittel für die Integration ausländischer Mitbürger. Die Idee des Grünen-Politikers Hans-Christian Ströbele, für einen islamischen Feiertag einen christlichen zu streichen, würde in der Bevölkerung im Gegenteil die Gräben vertiefen, warnte Horch am Mittwoch in Stade. Für einen solchen Schritt gebe es derzeit in der Mehrheitsgesellschaft kein Verständnis.

Politische Pflicht sei es dagegen, die Integration des islamischen Bevölkerungsanteils konsequent zu fördern, sagte der evangelische Regionalbischof. "Daran besteht aber derzeit ein großer Mangel, auch weil es an Mitteln dafür fehlt." Kindergärten bräuchten mehr Geld für die Sprachförderung. Schulen müssten im größeren Umfang für den Unterricht ausländischer Kinder ausgerüstet werden, damit diese nicht scheiterten und berufliche Perspektiven entwickeln könnten. "Derzeit müssen die Schulen darum betteln, von Sponsoren Geld für solche Maßnahmen zu bekommen."

Städte und Gemeinden seien aufgerufen, durch eine gesteuerte Wohnungsvergabe die Bildung von Gettos und Parallelgesellschaften planvoll zu verhindern. Auch die islamische Bevölkerung müsse ihre Bereitschaft zur Integration beispielsweise durch das Erlernen der Sprache zeigen. "Null Toleranz" dürfe es geben, wenn der Islam so ausgelegt werde, dass Frauen unterdrückt und zwangsverheiratet würden. "Die islamische Gemeinde muss sich eindeutig und konsequent von Gewalt distanzieren und darf deren Vertreter in ihren Reihen nicht dulden."

Die Kirchen bemühen sich laut Horch seit längerem intensiv um den christlich-islamischen Dialog. Kirchenvertreter besuchten Moscheen. Kirchenkreise wie beispielsweise die Region Verden veranstalteten in Kooperation mit Partnern Vortrags- und Gesprächsreihen. Konfessionelle Kindergärten förderten trotz mangelnder finanzieller Unterstützung den Spracherwerb von Ausländerkindern. "Diese Arbeit muss weitergehen und braucht breite Unterstützung." (epd Niedersachsen-Bremen/b3358/17.11.04)