Landesbischöfin ruft dazu auf, sich für die Zukunft der Landeskirche einzusetzen

Nachricht 31. Oktober 2004

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Christen dazu aufgerufen, sich für die Zukunft der Kirche einzusetzen. Zwar habe die Kirche Fehler, wie alles, was von Menschen geschaffen sei, sagte Käßmann am Sonntag bei ihrer Predigt zum Reformationstag in der Marktkirche in Hannover. Doch die Kirche sei ein Versuch, in Gemeinschaft zu leben und ein Miteinander zu gestalten: "Deshalb lohnt es sich, darum zu kämpfen, dass auch in Zukunft Kirche sein wird."

Weiter sagte die Bischöfin, für evangelische Christen sei Martin Luthers Erkenntnis, dass Gott sich den Menschen ohne Bedingungen zuwende, eine Befreiung. Es sei eine Freiheit, die auch den Menschen von heute ihre Angst nehmen könne: "Frei vom Urteil anderer. Frei davon, ob ich alt oder jung bin, leistungsfähig oder nicht", betonte Käßmann.

Der Mensch dürfe sich Gott anvertrauen, um aus dem ewigen Hamsterrad von Leistungen und Gewinnen auszusteigen: "Gottes Zuwendung ist auch da, wo mit den Augen der Welt kein Erfolg ist, keine großartige Leistung, vielleicht eher ein Versagen und ein eher kärgliches Leben", sagte die Theologin.

Martin Luther habe erkannt, dass es nicht die Aufgabe der Kirche sei, dem Einzelnen Erlösung zuzugestehen oder sie abzulehnen. Dies sei allein die Sache Gottes. Deshalb sei es absurd, Menschen aufgrund von Wundern, die sie angeblich nach ihrem Tod gewirkt haben sollen, heilig oder selig zu sprechen. Dies trenne die evangelische Kirche vom römischen Katholizismus: "Ein Mensch wird nicht selig oder heilig durch das, was er oder sie tut." (epd Niedersachsen-Bremen/b3172/29.10.04)
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