Hannover: Insolvenz des Birkenhofes abgewendet

Nachricht 23. Oktober 2004

Hannover (epd). Eine drohende Insolvenz der diakonischen Einrichtung Birkenhof e.V. in Hannover mit 700 Mitarbeitern ist abgewendet. Die Geschäftsführung und die Mitarbeiter-Vertretung (MAV) haben am Donnerstagabend eine offizielle "Notlagen-Regelung" vereinbart, teilten der Vorsteher, Pastor Hanns-Christoph Henckel, und Jürgen Höwelmeyer von der MAV am Freitag vor Journalisten mit. Unter anderem werden die Beschäftigten in diesem Jahr auf ihr Weihnachtsgeld verzichten.

Mit dem Verzicht auf diese außertarifliche Zulage, die 83 Prozent eines Monatsgehaltes ausmache, könne der Birkenhof 1,145 Millionen Euro einsparen. Damit könne die gegenwärtige Finanzierungslücke von 1,2 Millionen Euro geschlossen werden, hieß es. Der Birkenhof betreibt in Hannover neun Altenheime, Jugendeinrichtungen und Fachschulen und ist mit 1.100 Pflegeplätzen einer der größten Anbieter in der Region.

Ein Grund für die strukturellen Schwierigkeiten seien die öffentlichen Kostenträger, die die Entgelte für die Pflegesätze aufgrund leerer Kassen nach unten drückten, sagte der Direktor des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche, Pastor Henning Brandes. So seien die Entgelte seit 1998 um 0,5 Prozent gestiegen, die Personalkosten jedoch um 16 Prozent.

Während eine Fachkraft in der privaten Altenpflege etwa 30.000 Euro im Jahr verdiene, erhalte eine Pflegerin in der Diakonie tarifgebunden bis zu 43.000 Euro. Die Kommunen verlangten jetzt eine Reduzierung auf 35.000 Euro. "Die Diakonie möchte und wird an ihren Tarifen festhalten", kündigte Brandes an. Schließlich müssten die Mitarbeiterinnen von ihrem Gehalt auch noch ihre Familien ernähren können.

Die "Notlagen-Regelung" werde am 15. November noch von der arbeitsrechtlichen Kommission der bundesweiten Diakonie gebilligt. Sie bleibe bis Juni 2006 in Kraft. In dieser Regelung ist auch die Gründung eines paritätisch besetzten Sanierungs-Ausschusses vorgesehen. Weitere Absenkungen der Personalkosten wie der Verzicht auf einen Urlaubstag wären jedoch "ein letzter Schritt", sagte Vorsteher Henckel. Jürgen Höwelmeyer betonte, die MAV sei bereit, weitere Konzepte zu entwickeln, falls die Situation ruinös würde.

Geprüft werde zurzeit auch die Gründung einer Dienstleistungsgesellschaft für die Hauswirtschaft im kommenden Frühjahr, sagte Henckel. Derzeitige Birkenhof-Mitarbeiter sollten jedoch nicht an diese überstellt werden. Außerdem plane der Verein, für die Sanierung Angebote von Profi-Anbietern einzuholen. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3079/22.10.04)

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