Bischöfin Käßmann: Europa braucht eine Seele

Nachricht 14. Oktober 2004

Loccum (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die europäischen Kirchen aufgefordert, gemeinsam klare ethische Maßstäbe ins vereinte Europa einzubringen. "Europa braucht eine Seele", sagte sie am Donnerstag in Loccum bei Nienburg. Dort tagen bis zum Sonntag die Nationalkoordinatorinnen des Ökumenischen Forums christlicher Frauen in Europa. Der vereinte Kontinent dürfe nicht nur vom Geist des Euro und der Bürokratie geprägt werden, sagte die Bischöfin vor den Frauen, zu denen auch eine Christin aus der Türkei gehörte.

Käßmann äußerte die Hoffnung auf ein Europa der Fremdenfreundlichkeit, des Friedens und der Gerechtigkeit. "Da hat Europa einiges aufzuholen in einer Zeit, die eher danach fragt, wie es dem Dax geht, als nach dem Nachbarn", sagte die Bischöfin. Alleinerziehende, behinderte und alte Menschen würden an den Rand gedrängt. Frauen litten noch immer unter Gewalt. Ihre Leistungen in Pflege und Erziehung würden zu wenig anerkannt.

Die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen aller Konfessionen und Nationen verändere den Blick auf die Globalisierung, sagte Käßmann. Für Christen gebe es keine "überflüssigen Menschen auf überflüssigen Kontinenten", sondern nur Geschöpfe Gottes mit der gleichen Würde wie jeder Mensch in Europa. Flüchtlinge seien politisch gesehen Botschafter des weltweiten Elends, zu dem Europa beitrage.

Die Religionen müssten zur mithelfen, Konflikte zu bewältigen statt sie zu verschärfen, sagte die Bischöfin. Sie plädierte für einen ehrlichen Dialog, der gegenüber dem Islam auch die Fragen nach der Rolle der Frau oder der Scharia stelle. So wie Muslime in Europa Moscheen bauen könnten, müssten aber auch die Christen in islamisch geprägten Ländern Kirchen bauen und ihren Glauben leben dürfen. (epd Niedersachsen-Bremen/b3018/14.10.04)


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