Tag der Religionen: Geißler fordert Antworten von Kirchen und Religionen

Nachricht 07. Oktober 2004

Hannover (epd). Der CDU-Politiker Heiner Geißler hat von den Kirchen und Religionen Antworten auf eine "heillose, asoziale, kapitalistische Welt" gefordert.
Es hänge von ihnen selbst ab, ob sie ein Auslaufmodell in einer säkularisierten Gesellschaft seien oder ob sie Menschen Hoffnung geben könnten, sagte der frühere Bundesminister am Mittwochabend in Hannover. Sie könnten der Globalisierung eine Antwort etwa im Sinne einer internationalen sozialen Marktwirtschaft entgegensetzen.
Geißler sprach bei der zentralen Veranstaltung zum "Tag der Religionen in Deutschland".

"Wo bleibt der Aufschrei der Religionen, der Kirchen", wenn um der Kapitalrendite willen die wirtschaftliche Existenz von Zehntausenden vernichtet werde, fragte Geißler unter dem Beifall des überfüllten Auditoriums im Rathaus von Hannover. Wie bei der Industrialisierung hätten die Kirchen auch die Herausforderung durch die Globalisierung bisher nicht verstanden. Die Religionen müssten gemeinsame geistige Grundlagen erarbeiten, um dieser Welt die Antwort zu geben, die sie ihr schuldig seien.

"Die Fundamentalisten werden stärker und frecher", sagte Geißler auch an christliche Adressen. Er verglich das aggressive Vorgehen amerikanischer Sekten in fremden Ländern und ihre "Triumphal-Theologie" mit dem Kreuzzug-Aufruf des US-Präsidenten George W. Bush. "Glaube ohne Vernunft produziert Intoleranz", mahnte der Politiker und Buchautor.

Ein Test für die Glaubwürdigkeit der Religionen sei der Umgang mit Frauen, die weltweit brutal diskriminiert würden. Geißler warf den Weltreligionen vor, unter Missbrauch Gottes Urheber des frauenfeindlichen Klimas zu sein. Die Anerkennung der Menschenwürde müsste gemeinsame Grundlage der Religionen sein. Darum dürfe man die Stellung der Frau nicht ausklammern im Gespräch zwischen den Religionen, wobei Geißler auch seine eigene katholische Kirche von den Vorwürfen nicht ausnahm. (epd Niedersachsen-Bremen/e2938/06.10.04)

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