Kirchenamts-Präsident Eckhart von Vietinghoff wird 60

Nachricht 06. Oktober 2004

Hannover (epd). Der Präsident des Landeskirchenamtes der hannoverschen Landeskirche, Eckhart von Vietinghoff, wird am Donnerstag, dem 7. Oktober, 60 Jahre alt. Der promovierte Jurist leitet seit 20 Jahren das Kirchenamt der mit 3,1 Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche. Er gehörte zwölf Jahre lang dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, dem obersten Leitungsgremium, an.

Von Vietinghoff gilt als Vermittler und Vordenker in der evangelischen Kirche. In jüngster Zeit brachte er eine kirchliche Reformbewegung auf den Weg, um die komplexen Strukturen des Protestantismus zu vereinfachen. Der gebürtige Göttinger war unter anderem im Staatsdienst in der niedersächsischen Staatskanzlei und danach von 1980 bis 1984 Oberstadtdirektor in Hildesheim. (epd Niedersachsen-Bremen/b2897/04.10.04)


Verhandler, Vermittler, Vordenker in der EKD -
Landeskirchenamts-Präsident Eckhart von Vietinghoff wird 60

Von Thomas Schiller und Burkhart Vietzke (epd)

Hannover (epd). Eckhart von Vietinghoff hat viele kirchliche Funktionen, aber eine kurze Berufsbezeichnung: "Präsident" steht im protestantischen "Wer ist wo". Der Jurist leitet seit 1984 das Kirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Mit 3,1 Millionen Mitgliedern ist sie innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die größte. Ihr Präsident gehörte zwölf Jahre dem Rat der EKD, dem obersten Leitungsgremium, an und ist eine der einflussreichsten Personen im deutschen Protestantismus. Am 7. Oktober wird er 60 Jahre alt.

Von Vietinghoff ist als Verhandler, Vermittler und Vordenker gefragt, wenn Probleme in der evangelischen Kirche unlösbar scheinen. Er war es, der nach der deutschen Einheit die ost- und westdeutschen Kirchen in ihrem langen, erbitterten Streit um die Militärseelsorge zu einem Konsens brachte. Unter seinem Vorsitz wurde das kirchliche Medienengagement im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik neu geordnet und auf Reformkurs gebracht.

Selbst die komplexen Strukturen des Protestantismus waren für ihn kein Tabu. Er schlug vor, die traditionellen Dachverbände von Lutheranern und Unierten unter dem Dach der EKD zu vereinigen. "Unfrisierte Gedanken" nannte von Vietinghoff seine Denkschrift für mehr Profil der evangelischen Kirche und für eine stärkere EKD. Denn die konfessionellen Eigenarten und Besitzstände, für manchen eine Bekenntnisfrage, sind den meisten evangelischen Christen kaum noch vermittelbar. Er brachte damit weite Teile des eigenen, lutherischen Lagers gegen sich auf, doch er hatte letztlich Erfolg: Der lang ausgehandelte Konsens trägt seine Handschrift.

Der gebürtige Göttinger ist mit einer Richterin verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Er sagt von sich: "Meine Familie ist mein Lebensmittelpunkt." Nach dem Jurastudium, Promotion und Referendariat war der Sohn eines Pastors zunächst im Staatsdienst unter anderem in der niedersächsischen Staatskanzlei, dann wurde der Christdemokrat von 1980 bis 1984 Oberstadtdirektor in Hildesheim. Seit zwanzig Jahren steht er an der Spitze des hannoverschen Landeskirchenamtes. Abwerbeversuchen des damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht in die Politik widerstand er.

Politisch ist von Vietinghoff wertkonservativ, etwa bei der Verteidigung von Ehe und Familie. Zugleich bleibt er für seine Kirche ein Querdenker. Früher als andere hat er seiner Landeskirche finanziell einen "koordinierten Sinkflug" verschrieben, begleitet von Kirchenkreisreform und Anreizen zu neuen Ideen. Der Präsident wird in seiner Kirche nicht nur als Spitzenjurist geschätzt. "Er ist auch ein engagierter Christ, der manches Mal selbst theologische Impulse einbringt und oft mit energischen Nachfragen für Innovation sorgt - und das in Zeiten des Sparens", sagt Landesbischöfin Margot Käßmann.

Von Vietinghoff tritt für eine selbstbewusste, in der Gesellschaft wirkende Kirche ein und wettert gegen protestantische Selbstbezogenheit. Dabei hat die FAZ dem Nachfahren einer baltischen Adelsfamilie "wohltuende aristokratische Korrektheit" bescheinigt - ein Thema auch für den 60. Geburtstag. Unter dem Titel "Was gebietet der Anstand" steht die Laudatio von Hermann Barth, dem theologischen Vizepräsidenten des EKD-Kirchenamtes. Auch mit 60 will der Jubilar noch einiges bewegen. Seine künftigen Kernthemen heißen Europa und Diakonie. "Wir brauchen eine Anpassung", sagt von Vietinghoff. "Die Bedingungen der letzten 50 Jahre sind vergangene Welten." (epd Niedersachsen-Bremen/b2831/04.10.04)

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