Diakonie prangert Flüchtlingspolitik in Niedersachsen an

Nachricht 29. September 2004

Göttingen (epd). Das Diakonische Werk der hannoverschen Landeskirche hat Kritik an der Flüchtlingspolitik des Landes Niedersachsen geübt. Die "restriktiven Tendenzen" würden immer offensichtlicher, erklärten Diakonie-Vertreter am Mittwoch vor Journalisten in Göttingen. Auch andere Wohlfahrtsverbände und der Niedersächsische Flüchtlingsrat hatten bereits eine zunehmende "Abschreckungspolitik" gegenüber Flüchtlingen angeprangert.

Die Flüchtlingsreferentin im Diakonischen Werk, Sigrid Ebritsch, kritisierte die "strukturelle Ausgrenzung" von Menschen durch ihre Unterbringung in Sammelunterkünften. Seit einem Jahr würden neu ankommende Flüchtlinge kaum noch auf die Kommunen verteilt, sondern blieben in zentralen Aufnahmestellen des Landes. Die Betroffenen seien damit von jeglichen Integrationsangeboten ausgeschlossen.

Dem Diakonischen Werk zufolge leben in Niedersachsen rund 26.000 Flüchtlinge mit einer Duldung. "Die meisten von ihnen sind Familien mit Kindern, die hier geboren wurden", sagte Ebritsch. Sie fänden wegen der kurzfristig erteilten Duldungen kaum Arbeitsmöglichkeiten. Den jugendlichen Schulabgängern werde eine Ausbildung verwehrt. Das Leben in fortgesetzter Unsicherheit und Perspektivlosigkeit habe inzwischen viele Flüchtlinge krank gemacht.

Nach den Worten von Harald Kühle vom Diakonischen Werk in Göttingen hat sich das Land Niedersachsen fast vollständig aus der Beratung für Flüchtlinge zurückgezogen. Mit Mitteln der hannoverschen Landeskirche habe die Diakonie ihre Beratung deswegen erheblich aufgestockt. Unter anderem sei Geld für Beratungsstellen in sieben weiteren Orten des Bundeslandes zur Verfügung gestellt worden. Kühle erinnerte daran, dass die Kirche "von der Studentenseelsorge bis zur Hausaufgabenhilfe" zusätzlich Mittel in Millionenhöhe für die Migrationsarbeit zur Verfügung stellt. (epd Niedersachsen-Bremen/b2855/29.09.04)

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