Kirchenasyl in Göttingen für Kosovo-Flüchtlinge

Nachricht 24. September 2004

Göttingen (epd). Die evangelische Kreuzkirchen-Gemeinde in Göttingen gewährt einer albanischen Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo Kirchenasyl. Die vierköpfige Familie Mucaj erhalte zunächst bis zum Januar Obdach in Räumen der Gemeinde, sagte Pastor Erich Marahrens am Donnerstag vor Journalisten. Bis dahin werde "alles versucht", auf juristischem oder humanitärem Weg ein Bleiberecht für die Familie zu erreichen.

Der Familienvater Immer Mucaj floh 1992 nach eigenen Angaben aufgrund politischer Verfolgung durch Serben in die Bundesrepublik, seine Verlobte kam fünf Jahre später nach Deutschland. Die Kinder Arber und Aijana kamen 1998 und 2000 in Göttingen auf die Welt. Ein Asylantrag des Paares sowie ein mit dem NATO-Angriff auf Jugoslawien begründeter Folgeantrag wurden rechtskräftig abgelehnt. Die Behörden wollen die Familie nun abschieben.

Mucay arbeitet als Kellner in einem Göttinger Eiscafé, seit 2001 hat er dort sogar einen unbefristeten Arbeitsvertrag. "Seitdem bin ich unabhängig von Sozialleistungen", betont der 34-Jährige. Die beiden Kinder besuchen seit einem Jahr den Kindergarten der Kreuzkirchen-Gemeinde. "Die beiden haben sich sehr schnell eingelebt, haben Freunde gefunden, und wir haben guten Kontakt zu den Eltern", berichtete die Leiterin der Einrichtung, Dagmar Berns.

Nach Einschätzung von Rechtsanwalt Heinrich Lau handelt es sich bei der Familie wegen ihrer guten Integration "genau um den Typ von gut integrierten Ausländern, den die Väter des neuen Zuwanderungsgesetzes immer vor Augen hatten". Mit weiteren juristischen Initiativen und einer Petition an den niedersächsischen Landtag will sich der Anwalt nun bemühen, ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht für seine Mandanten zu erwirken.

Die Kirchengemeinde und andere Unterstützer der Flüchtlinge wollen in den kommenden Tagen in Gesprächen mit Göttinger Landtagsabgeordneten und Kommunalpolitikern um Unterstützung für die Familie werben.
"Unseres Erachtens hat der Oberbürgermeister zumindest den Ermessensspielraum, um die Abschiebung auszusetzen", sagte Ausländerpfarrer Peter Lahmann.

Eltern aus dem Kindergarten planen weitere Aktionen. "Wir wollen den Laternenumzug zu einer Mahnwache machen und eine Postkartenaktion starten", erklärte Eltern-Vertreterin Antje Kolkmeyer.

Göttinger Kirchengemeinden haben in den vergangenen Jahren insgesamt rund 50 Flüchtlinge vorübergehend aufgenommen. "Alle Kirchenasyle waren erfolgreich", sagte Lahmann. Die von Abschiebung bedrohten Asylbewerber hätten neue Verfahren erreicht und größtenteils sogar ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhalten. Über mögliche Kirchenasyle in der Stadt berät ein Arbeitskreis, in dem Vertreter evangelischer und katholischer Gemeinden zusammenarbeiten. (epd
Niedersachsen-Bremen/b2781/23.09.04)
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