Landesbischöfin für Alternativen zur traditionellen Bestattung

Nachricht 22. September 2004

Osnabrück (epd). Die evangelische Kirche sollte nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann dem Wunsch der Menschen nach einer individuellen Bestattung unter bestimmten Bedingungen nachgeben. "Wir müssen den Menschen Alternativen zur traditionellen Sarg- oder Urnenbestattung anbieten. Andererseits gehört die Urne nicht ins Bücherregal", sagte Käßmann am Mittwoch in Osnabrück anlässlich des Generalkonventes aller Pastoren des Osnabrücker Sprengels.

Die Bischöfin begrüßte ausdrücklich die Vorlage zum neuen niedersächsischen Bestattungsgesetz, deren Anhörung ebenfalls am Mittwoch in Hannover stattfand. Die Pflicht zur Bestattung von Früh- und Todgeburten sei ebenso im Sinne der Kirche wie die Aufhebung der Sargpflicht. "Sie gibt auch Muslimen die Möglichkeit, ihre Toten in Deutschland zu bestatten", so Käßmann. "Das trägt dazu bei, dass sie sich hier heimisch fühlen."

Der Wunsch nach Individualisierung dürfe nicht so weit gehen, dass die Urne des verstorbenen Verwandten zu Hause aufbewahrt werde, wie es die Grünen in Niedersachsen gefordert hätten, betonte die Bischöfin. "Die Bestattung muss ein öffentliches Ereignis bleiben." Ebenso wandte sie sich auch gegen die zunehmende Anonymisierung. Die Friedwälder seien deshalb aus Sicht der Kirche nur akzeptabel, wenn die für ein Urnenbegräbnis verkauften Bäume Namensplaketten tragen dürften.

Die Kirche müsse den Menschen jedoch entgegenkommen. Sie könne sich etwa für längere Liegezeiten auf Friedhöfen einsetzen oder für die Einrichtung sogenannter Friedparks, die anders als die Friedwälder besser erreichbar und weniger anonym seien. Auch die Einrichtung von Rasenflächen für Urnenbestattungen ist nach den Worten Käßmanns eine Möglichkeit, die auf einigen Friedhöfen schon praktiziert wird. Auf Stelen etwa könnten dann die Namen der Verstorbenen eingraviert werden.

Diese Art der Beisetzung sei im Vergleich zur Sargbestattung in einem Einzelgrab sehr preiswert. Seit dem Wegfall des Sterbegeldes der Krankenkassen könnten sich viele Menschen eine traditionelle Beerdigung nicht mehr leisten. "Der Kirche sollte die würdige Bestattung für alle am Herzen liegen", betonte die Bischöfin. (epd Niedersachsen-Bremen/b2767/22.09.04)