Konzentrationsprozess vorausgesagt

Nachricht 15. September 2004

Bremerhaven/Elbe-Weser (epd). Die evangelische Kirche steht nach Auffassung von Oberkirchenrat Thies Gundlach (Hannover) nicht mehr nur vor Kürzungen, sondern vor tiefgreifenden Konzentrationsprozessen.
Angesichts sinkender Kirchensteuern könne sie in der Stadt und auf dem Land nicht mehr überall präsent sein, sagte der Theologe vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch in Bremerhaven vor der Vollversammlung der etwa 320 landeskirchlichen Pastorinnen und Pastoren aus dem Elbe-Weser-Raum.

Gundlach ging davon aus, dass die evangelischen Kirchen in Deutschland in den nächsten 25 Jahren die Hälfte ihrer Einnahmen und ein Drittel ihrer Mitglieder verlieren. Angesichts dieser Entwicklung seien Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip am Ende. Der Oberkirchenrat riet zu "Kathedralkirchen", in denen Schwerpunkte gesetzt werden müssten. Sie könnten künftig als gut ausgestattete geistliche Zentren die Arbeit für eine ganze Region organisieren.

Theologen würden dann mehr als heute als "Wanderprediger" unterwegs sein. Ihre Rolle wandele sich vom Nachbarn zum Besucher. "Nicht mehr die lange oder gute Tradition einer Aufgabe ist künftig ausschlaggebend für die Frage, ob sie fortgeführt werden soll, sondern ihre Bedeutung für den Protestantismus in Deutschland", betonte Gundlach.

Die Kirche muss sich nach seinen Worten auf ihr "Kerngeschäft" konzentrieren, zu denen Gottesdienste in unterschiedlichen Formen gehörten.

Der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamts, Martin Schindehütte, bekräftigte vor dem Generalkonvent, den Pastorinnen und Pastorinnen falle im Reformprozess eine Schlüsselrolle zu. Bei ihnen müsse "ganz deutlich" weniger als im Durchschnitt gekürzt werden. Trotzdem werde es in Zukunft nicht anders gehen als in Teams mit anderen Berufsgruppen und gemeinsam mit Ehrenamtlichen.

Dem Verkauf von Kirchengebäuden erteilte Schindehütte eine Absage. Wenn der Gebäudebestand verringert werden müsse, "sind Kirchen quasi tabu". Gundlach wie Schindehütte warnten davor, dass sich die Gemeinden in der Krise nur auf diejenigen konzentrieren, die ihnen nahe stehen.
"Wir brauchen Mission und die Wende nach außen", betonte Gundlach. Wer sich auf die Kerngemeinde beschränke, isoliere sich kulturell und habe keine Zukunft. (epd Niedersachsen-Bremen/b2684/15.09.04)
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