Zentrum für Gottesdienst und Musik eingeweiht

Nachricht 29. August 2004

Hildesheim (epd). Im mehr als 1.000 Jahre alten Michaeliskloster Hildesheim ist am Sonnabend ein Evangelisches Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik eröffnet worden. "Dieses Zentrum ist die wohl wichtigste Investition unserer Kirche in einer Zeit, in der bei vielen der Glaubensmut sinkt", sagte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann im Einweihungsgottesdienst am Sonnabend.

Für die bundesweit einzigartige Einrichtung investierte die Landeskirche insgesamt 6,45 Millionen Euro. Gottesdienste könnten den christlichen Glauben stärken und erneuern, sagte Käßmann: "Aber wenn sie grottenlangweilig sind, wird nichts erneuert und nichts gestärkt." Die Bischöfin sprach sich für neue, innovative Formen aus. Neben dem traditionellen Gottesdienst könne etwa ein Jazz-Gottesdienst stehen. Die Menschen wollten mit allen Sinnen erleben, was Glaube ist.

Das Zentrum will traditionelle Formen des Gottesdienstes und der Kirchenmusik pflegen und neue Formen fördern. Zur Eröffnung wechselten Chor-, Orgel- und Posaunenklänge mit Gospel, Jazz und Pop. Die Fortbildungsstätte bietet 39 Zimmer mit bis zu 75 Betten. Sie beschäftigt etwa 20 Mitarbeiter und verfügt über schalldichte Säle sowie eine Spezial-Bibliothek mit rund 25.000 Büchern und 30.000 Notenbänden.

Die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) gratulierte der Kirche im Namen der Landesregierung. "Ich freue mich, dass die Landeskirche den Mut hatte, neue Wege zu gehen", sagte sie. Kirchenmusik lasse niemanden unberührt: "Sie ruft Momente der Freude und der Trauer in Erinnerung." Neben den traditionellen Formen seien neue Formen wichtig, weil sich die Menschen in der Musik wiederfinden wollten.

Beim Umbau des Gebäudes wurden Teile des im Krieg weitgehend zerstörten ehemaligen Michaelisklosters freigelegt. So ist ein historisches Tonnengewölbe wieder zugänglich. Der Kreuzgang wurde um ein Drittel erweitert und mit einer gläsernen Schutzhülle überbaut. Das Michaeliskloster bildet eine Einheit mit der St. Michaeliskirche, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Bis 2002 wurden hier angehende evangelische Pastoren ausgebildet. Vor dem Zweiten Weltkrieg diente das Kloster als Heil- und Pflegeanstalt.

Weil die Kirche in anderen Bereichen Gelder kürzt, war über die neue Einrichtung kontrovers diskutiert worden. "Wir wollen aber nicht nur rasenmähermäßig sparen, sondern auch bewusst ein Glanzlicht setzen", sagte Bischöfin Käßmann vor Journalisten. (epd Niedersachsen-Bremen/b2516/28.08.04)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen