Regionalbischof Jantzen nach Predigt in Polen: Geste der Versöhnung

Nachricht 26. August 2004

Lüneburg (epd). Als erster Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen in der ehemals evangelischen Kirche im polnischen Wongrowitz auf Deutsch gepredigt. Auch fast 60 Jahre nach Kriegsende habe er die Einladung auf die Kanzel als "nicht selbstverständlich" und große Geste der Versöhnung empfunden, sagte der evangelisch-lutherische Regionalbischof am Mittwoch nach Rückkehr von einer Partnerschaftsbegegnung.

Jantzen hatte eine Delegation des Arbeitskreises Christlicher Kirchen in Lüneburg bei ihrem Besuch in der Region Wongrowitz (Wagrowiec) begleitet. Seit fast zehn Jahren unterhält der Landkreis Lüneburg eine Partnerschaft in das Gebiet rund 60 Kilometer nördlich von Posen (Poznan), in der sich auch die Kirchen engagieren.

Bis zum Krieg habe es in der Stadt Wongrowitz eine evangelische Gemeinde gegeben, berichtete Jantzen. Heute lebten in der 25.000-Einwohner-Stadt drei Bürger evangelischer Konfession. Die ehemals evangelische Kirche werde von der katholischen Gemeinde genutzt. "Die Sehnsucht nach Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen ist da", hat der Landessuperintendent bei seinen Begegnungen erfahren.

In Polen seien mittlerweile viele Wunden geheilt. In Deutschland sei eine Generation herangewachsen, die sich traue, auszusprechen, dass der Krieg ein Überfall der Deutschen auf Polen gewesen sei. In seiner Predigt sei er auch auf neue Umbrüche wie die EU-Osterweiterung eingegangen. Die Rückkehr Polens in die europäische Familie sei positiv, mache jedoch auch vielen Angst. Es sei wichtig, "immer wieder miteinander zu reden, um einander verstehen zu lernen." (epd Niedersachsen-Bremen/b2480/25.08.04)

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