Landesbischöfin: Religionen müssen Konflikte entschärfen

Nachricht 25. August 2004

Hannover (epd). Die Religionen müssen nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann endlich zu einem Faktor der Konfliktentschärfung werden, statt immer wieder Konflikte zu verschärfen. "Wir spüren die Notwendigkeit in diesen Wochen ganz besonders, wo Gewalt auf allen Seiten religiös legitimiert wird", sagte Käßmann am Dienstag in Hannover bei der Eröffnung der Wanderausstellung "Gesichter des Islam" in Niedersachsen.

Es sei an der Zeit, dass Vertreter der verschiedenen Religionen eindeutig und ohne jede Frage für die Religionsfreiheit aller Menschen in allen Ländern eintreten, forderte die evangelische Bischöfin. Es werde entscheidend für die friedliche Zukunft der Welt sein, über den eigenen Glauben zu reden und gleichzeitig den der Anderen zu respektieren.

Wenn heute oft lautstark gefordert werde, den Dialog unter den Religionen zu intensivieren, sollte es nach Ansicht Käßmanns eher um Begegnungen im Alltag als um theoretische Debatten gehen. Erst durch persönliche Kontakte könne man einander kennenlernen. "Die menschliche Begegnung ist entscheidend dafür, ob Vorurteile Bestand haben", sagte die Theologin.

Zu diesem Dialog mit muslimischen Frauen und Männern in Niedersachsen will die Landeskirche mit ihrem auf drei Jahre angelegten Projekt beitragen. Kernstück ist die Ausstellung, in deren Mittelpunkt bebilderte Interviews mit sechs muslimischen Frauen zwischen 24 und 61 Jahren stehen. Drei von ihnen tragen ein Kopftuch, eine ist eine zum Islam konvertierte Frau. Sie berichten über ihren Alltag in Deutschland und schildern, wie sie als Minderheit unter Christen ihren Glauben leben und gestalten.

Die Ausstellung, die im kommenden Jahr auch auf dem Kirchentag in Hannover sein wird, soll bis 2007 in 30 Orten in Niedersachsen gezeigt werden. Als Bedingung muss jede Gemeinde ein bis zwei Porträts von muslimischen Frauen aus der jeweiligen Kommune beitragen. Die hannoversche St. Martinskirche in Linden plant ein umfangreiches Begleitprogramm. "Wir wollen vor Ort miteinander ins Gespräch kommen und zeigen, wie vielschichtig die Muslime ihren Glauben praktizieren", sagte Pastorin Claudia Panhorst-Abesser. (epd Niedersachsen-Bremen/b2455/24.08.04)
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Den Text der Bischöfin im Wortlaut können Sie hier nachlesen: http://www.evlka.de/landeskirche/landesbischoefin_texte.php3.