Hannovers Straßenmagazin "Asphalt" feiert Jubiläum

Nachricht 19. August 2004

Hannover (epd). Das hannoversche Straßenmagazin "Asphalt" wird zehn Jahre alt. Seit der Gründung haben rund 2.000 wohnungslose Frauen und Männer etwa 2,5 Millionen Hefte auf den Straßen von Hannover und 15 weiteren niedersächsischen Städten verkauft, sagte Diakoniepastor Walter Lampe als Herausgeber des Magazins am Donnerstag vor Journalisten.
"Asphalt" gehört mit dem Hamburger "Hinz und Kunzt" und dem Münchner "Biss" zu den ältesten Straßenmagazinen in Deutschland.

Für viele wohnungslose Menschen sei der Verkauf der Zeitung mit einer Auflage von 20.000 Stück ein erster Schritt in die eigene Lebensgestaltung, sagte Lampe: "Statt um Almosen zu bitten, bieten die Verkäufer eine Ware an, die ihr Geld wert ist. Betteln zerstört die Selbstachtung, der Verkauf stärkt das Vertrauen und gibt Würde zurück."
Viele Verkäufer hätten durch "Asphalt" wieder eine Arbeit oder durch den direkten Kontakt mit den Käufern eine Wohnung gefunden.

Das 1994 gegründete Projekt wurde zunächst vom Diakonischen Werk und der "Hannoverschen Initiative obdachloser Bürger" getragen. Es startete mit sieben geförderten Stellen und wurde 1997 zu einer gemeinnützigen GmbH. Inzwischen ist "Asphalt" ein selbst finanzierter Betrieb mit acht Stellen. Die monatlichen Kosten betragen 35.000 Euro, davon sind 21.000 Euro Personalkosten, sagte Geschäftsführerin Almut Madfeld. Das Magazin sei monatlich auf 21.500 Euro Spenden angewiesen, um das Projekt am Leben zu erhalten.

Während zahlreiche Straßenzeitungen in anderen Städten und Ländern ihr Erscheinen inzwischen einstellen mussten, sei es "Asphalt" gelungen, am Markt zu bestehen. Dazu haben Madfeld zufolge eine qualifizierte Betreuung der Verkäufer, eine konsequente journalistische Qualität und eine besonnene Geschäftsführung beigetragen. Heute werde das Monatsmagazin von 150 Verkäufern angeboten. Das Heft kostet 1,40 Euro 70 Cent behalten die Verkäufer für sich.

"Asphalt" werde inzwischen nicht mehr aus Mitleid mit einzelnen Verkäufern gekauft. "Die Leser möchten das Projekt unterstützen, weil es den Menschen eine Perspektive gibt", sagte Lampe. Auch die inhaltlichen Beiträge seien immer wichtiger geworden. Auffallend sei der hohe Bildungsgrad der Käufer. (epd Niedersachsen-Bremen/b2430/19.08.04)
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