Seelsorger gegen geplante Streichung des Blindengeldes

Nachricht 19. August 2004

Hannover (epd). Die evangelische Blindenseelsorge hat gegen die geplante Streichung des Blindengeldes durch das Land Niedersachsen protestiert. "Wenn die Zuwendungen wegfallen, steht ein großer Teil der blinden Menschen vor dem sozialen Abseits", kritisierte der evangelische Blindenseelsorger Bernd Schliephake am Donnerstag in Hannover. Die Landesregierung plant, das einkommensunabhängige Blindengeld von derzeit
409 Euro pro Monat durch eine Blindenhilfe nach Bedürftigkeit zu ersetzen. Sie will damit 22 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

In Niedersachsen leben rund 11.400 Blinde. Das Blindengeld ermögliche ihnen eine weitgehende Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, so Schliephake. Sie bezahlten daraus Vorlesekräfte und Begleitpersonen oder kauften Hilfsmittel. Die Landesregierung und der Blindenverband müssten intensiv miteinander ausloten, ob das Geld weitergezahlt werden könne, forderte er: "Wenn ein blinder Mensch wieder Hilfen erbitten muss, weil er sie nicht mehr bezahlen kann, werden Selbstwertgefühl und Würde verletzt."

Wenn die Betroffenen ihre Ersparnisse einsetzen müssen, würden neue Sozialhilfeempfänger produziert, sagte der Seelsorger weiter. Auf blinde Menschen am unteren Ende der Einkommensskala kämen zusätzliche psychische Belastungen hinzu. Die drohende Streichung sei zudem schon jetzt ein Signal, das bundesweit aufmerksam verfolgt werde. Andere Länder könnten nachziehen, was "fatale Folgen" für die Behinderten hätte. (epd Niedersachsen-Bremen/b2431/19.08.04)
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