Landesbischöfin kritisiert Vatikan-Papier zur Rolle der Frau

Nachricht 03. August 2004

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat das Vatikan-Papier zur Rolle der Frau scharf kritisiert. Das Dokument der Glaubenskongregation enthalte Klischees und Feindbilder, sagte Käßmann dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstags-Ausgabe). Es mache sie "schlicht fassungslos, wie der Vatikan hier von den Frauen und der feministischen Bewegung spricht".

Das von dem deutschen Kurienkardinal Joseph Ratzinger unterzeichnete Dokument sei ein "tieftrauriges Stück Papier" und "eine verpasste Chance", wird Käßmann von der Zeitung zitiert. Der Vorwurf Roms, der Feminismus wolle die Unterschiede von Mann und Frau beseitigen, sei "schlicht Unfug". Vielmehr wollten die Frauenrechtlerinnen die besonderen Begabungen der beiden Geschlechter fördern, so die evangelische Theologin.

In dem am Wochenende veröffentlichten Dokument stehe zudem kein Wort davon, wie die Kirche jahrhundertelang Frauen unterdrückt habe und dass sie bis heute in der katholischen Kirche vom Priesteramt ausgeschlossen seien, fügte Käßmann hinzu: "Kein Wort von der Hexenverfolgung und der Schuld der Kirche. Kein Wort der Empörung über Vergewaltigung, über Erniedrigung mit biblischer Argumentation." Die Bischöfin ist oberste Repräsentantin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland mit rund drei Millionen Mitgliedern. (epd Niedersachsen-Bremen/b2286/03.08.04)

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