Landesbischöfin Käßmann beklagt Frauenfeindlichkeit in islamischen Gesellschaften

Nachricht 30. Juli 2004

Köln (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Frauenfeindlichkeit und einen Missbrauch der Religion in islamischen Gesellschaften beklagt. Dass muslimische Mädchen auch in Deutschland nicht zum Schwimmunterricht oder auf Klassenfahrten dürften, finde sie "unerträglich", sagte die lutherische Bischöfin in einem Interview des Kölner Stadtanzeigers (Donnerstag-Ausgabe). Zugleich bekräftigte sie ihre Ablehnung des muslimischen Kopftuchs für Beamtinnen.

Auch die Vorstellung einer männlichen Züchtigungsgewalt gegenüber Ehefrauen sei nicht hinnehmbar, sagte Käßmann. In Deutschland - und auch in der Kirche - hätten die Frauen für ihre Gleichberechtigung einen "langen, langen Kampf" gefochten. Die Bischöfin betonte, sie sei nicht islamfeindlich. Auch in der katholischen und orthodoxen Kirche gebe es bis heute keine Gleichberechtigung, da Frauen vom Pfarramt ausgeschlossen seien, fügte Käßmann, die auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland angehört, hinzu.

Zum Kopftuch-Debatte erklärte Käßmann erneut, das muslimische Kopftuch sei kein rein religiöses Symbol. Es stehe vielmehr auch für den Islamismus, der nicht vereinbar sei mit demokratischen Werten. In der Schule gehe es nicht um Selbstentfaltung der Lehrerin, sondern um die Rechte der Eltern und Kinder. "Und wenn sie das Kopftuch zulassen, was ist dann mit der Burka, die den ganzen Körper verhüllt", fragte sie: "Was wollen Sie dem entgegenhalten? Dass es ein bisschen mehr Stoff ist?" Religiöse Kenntlichmachung wie die erste Koransure am Goldkettchen, Halbmond, Kreuz oder Davidstern sei dagegen kein Problem. (epd Niedersachsen-Bremen/b2254/28.07.04)


Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen