Auf einen Blick (28.7.)

Nachricht 27. Juli 2004

Fremdenführer mit trainierten Waden -
Turmführer-Gilde gewährt Ausblicke von Lüneburger Kirchen

Lüneburg (epd). Christian Gerhard leitet die Besucher auf gewundenen Wegen in die Höhe. "Ich krieg gleich einen Drehwurm", ruft einer aus der Gruppe, die der 25-Jährige über eine Wendeltreppe auf den Turm der St.-Johannis-Kirche begleitet. In Lüneburg haben sich sechs Frauen und Männer zu einer "Turmführer-Gilde" zusammengeschlossen. Sie bieten Touristen und Einheimischen besondere Ausblicke und ungewohnte Ansichten der Kirchen.

Als Fremdenführer hat Gerhard mittlerweile eine gute Kondition und trainierte Waden. In der Saison von Juni bis Ende September erklimmt fünfmal pro Woche jemand aus der Gilde die 194 Stufen auf die St.-Johannis-Kirche, viermal geht es gar 236 Stufen hoch zur Aussichtsplattform von St. Nicolai. Schwerpunkt der Führungen ist das Wochenende. Mit ihrem Ehrenamt werben die Turmführer um Spenden für Restaurierungsarbeiten in den beiden Kirchen.

"Wir schließen nicht nur einfach auf und lassen die Leute hoch", sagt Steenberg Siemons, der wie Gerhard zu den Initiatoren gehört. Die Turmführer erzählen aus der Historie und haben Histörchen parat.

"So etwas habe ich noch nie gesehen", sind sich Touristen aus Kanada und Einheimische beim Gang über das Gewölbe von St. Johannis einig. Wie eine fremde Landschaft wirken die Kuppeln von oben. "Unter diesem riesigen Berg befindet sich die Orgel", sagt Gerhard. Nach seiner Beobachtung gehen selbst diejenigen nach einer Turmführung noch einmal durch die Kirche, die sie vorher schon besichtigt hatten: "Man sieht das anders, wenn man einmal oben war."

Turmführerin Harriet von Natzmer ist immer neu begeistert von dem Abenteuer, in staubiger Umgebung den Johannis-Kirchturm zu besteigen. Mit seiner Gesamthöhe von fast 109 Metern neigt er sich um 2,20 Meter nach Westen und 1,30 Meter nach Süden. "Es ist unglaublich, sich klar zu machen, wie schief der Turm ist und dass er dennoch steht. Für mich war das Liebe auf den ersten Blick", schwärmt sie.

Freude und Engagement seien Voraussetzungen, um Turmführer zu werden, sagen die Mitglieder der Gilde. Sie suchen Verstärkung und schulen ihren Nachwuchs nicht nur mit Geschichtsdaten der historischen Gemäuer. "Es ist wichtig, auf die Gruppen einzugehen", erläutert Gerhard.

"Soweit es hier bekannt ist, sind wir die erste und einzige Turmführer-Gilde in Deutschland", sagt von Natzmer. Dass auch anderswo Kirchtürme Attraktionen sind, wissen die Lüneburger. Einer ihrer Pläne ist es, Turmführer aus dem ganzen Land zu einem Treffen einzuladen. Informationen zu den Führungen gibt es im Internet (www.turmfuehrungen.de) oder bei Christian Gerhard, Telefon 04131/229021. (epd Niedersachsen-Bremen/b2214/27.07.04)


Evangelisches Frauenwerk Hannover diskutiert über Medien
Hannover (epd). Die Medien stehen im Mittelpunkt eines "Tages für Frauen", den das Frauenwerk der hannoverschen Landeskirche am 11. September in Hannover veranstaltet. Petra Gerster, Moderatorin der Sendung "heute" im ZDF, spricht über "Frauen in den Medien - Frauen machen Medien". In Gruppen geht es um Musik, Film und Funk, Fotografie und andere Medienthemen.

Der Tag für Frauen steht unter dem Motto "und schuf sie nach seinem Bilde". Er beginnt um 10 Uhr in der Neustädter Kirche. Eingeleitet wird er durch die Leiterin des Frauenwerks, Franziska Müller-Rosenau, und die Kabarettistin Helga Timm-Koltermann. (epd Niedersachsen-Bremen/b2239/27.07.04)

Delmenhorster Kirchenjugend kämpft via TV um Stellen
Delmenhorst (epd). Das ZDF-Kindernachrichten-Magazin "logo!" berichtet am Donnerstag um 16.50 Uhr auf dem Kinderkanal Kika über den Streit in der evangelischen Jugendarbeit im Kirchenkreis Delmenhorst. Die Jugendlichen kämpfen um den Erhalt von Kreisjugendreferenten-Stellen. Die Kreissynode hatte beschlossen, 1,5 der derzeit 3,5 Stellen einzusparen. Daraufhin hätten sich die Jugendlichen an den Fernsehsender gewandt, sagte die 14-jährige Clara Zabel bei den Aufnahmen.

Der Delmenhorster Kreispfarrer Werner Rossow betonte vor laufender Kamera im Gespräch mit den Jugendlichen die Notwendigkeit zum Sparen: "Wenn wir jetzt nicht reagieren, wären in kurzer Zeit sieben der neun Delmenhorster Kirchengemeinden zahlungsunfähig", sagte er. Trotz der Einschnitte stehe noch genug Geld für die Jugendarbeit zur Verfügung. Rossow forderte die Kirchengemeinden auf, eigene Konzepte für die Jugendarbeit zu entwickeln.

Ein Kamerateam hatte die Jugendlichen zuvor beim Sammeln von Unterschriften in der Fußgängerzone begleitet. Mehr als 1.000 Delmenhorster haben den Protest gegen die Streichungen bereits unterzeichnet. "Wenn sich Jugendliche so gegen Kürzungen zur Wehr setzen, ist das für den Kinderkanal ein vorbildliches Thema", so der Kika-Redakteur Johannes Geiger. (epd Niedersachsen-Bremen/b2229/26.07.04)

Göttinger Theologe Busch Ehrendoktor in Ungarn Göttingen (epd). Der Göttinger Theologie-Professor Eberhard Busch hat die Ehrendoktorwürde der Universität Debreceni Egyetem in Ungarn erhalten. Das teilte die Theologische Fakultät in Göttingen am Montag mit. Der 66-jährige Busch lehrte in Göttingen bis zu seinem Ruhestand systematische und reformierte Theologie. In den sechziger Jahren war der Schweizer in Basel persönlicher Assistent des bekannte Theologen Karl Barth. (epd Niedersachsen-Bremen/b2223/26.07.04)

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