Berater: Obdachlose durch Gesundheitsreform gefährdet

Nachricht 08. Juli 2004

Hannover (epd). Die Gesundheitsreform gefährdet nach ersten Erfahrungen in Niedersachsen die Gesundheit von Obdachlosen. Viele von ihnen hätten notwendige Arztbesuche verschoben oder Behandlungen abgebrochen, weil sie nicht das Geld für die Praxisgebühr und die Zuzahlungen hatten, berichtete die Arbeitsgemeinschaft der Zentralen Beratungsstellen am Mittwoch in Hannover. 81 Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe hatten bei einer Umfrage ihre Erfahrungen im ersten Vierteljahr geschildert.

Die Obdachlosen gingen wegen der Praxisgebühr kaum noch zum Arzt, berichteten die Einrichtungen. Ein weiteres Dauerproblem sind nach Angaben der Berater die Zuzahlungen. Oft holten die Klienten verordnete Medikamente nicht aus der Apotheke, weil sie die Zuzahlung nicht leisten könnten. Der Tagessatz der Sozialhilfe betrage nur 9,90 Euro. Viele versuchten, sich zunächst selbst zu behandeln, etwa bei vereiterten Zähnen.

Die Probleme im ersten Quartal reichten von Verzögerungen oder Ablehnungen bei der Anmeldung zur Krankenversicherung bis hin zu Schwarzfahrten mit Bus oder Bahn, weil Fahrtkosten zu Therapien nicht mehr erstattet werden. Wohnungslose werden der Umfrage zufolge auch durch die Regelungen für chronisch Kranke kaum entlastet. Die Anerkennung dauere zu lange, und die nötigen Nachweise könnten Obdachlose schlecht aufbewahren.

Die fünf Zentralen Beratungsstellen in Niedersachsen, vier evangelische in Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Oldenburg und eine katholische in Osnabrück, sehen sich in ihren Befürchtungen zur Gesundheitsreform bestätigt. In Abstimmung mit dem Sozialministerium des Landes wollen sie die Entwicklung weiter beobachten. Sie kündigten eine erneute Umfrage zum Jahresende an. (epd
Niedersachsen-Bremen/b2045/07.07.04)
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