15 Jahre leiser Protest an den Gorleben-Kreuzen

Nachricht 29. Juni 2004

- Ökumenische Initiative Gorlebener Gebet feiert am 4. Juli

Von Karen Miether (epd)

Gorleben/Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). Ihr Protest gegen die Atomkraft ist leise, aber dafür umso beharrlicher. Jeden Sonntag um 14 Uhr treffen sich Christen im Wald vor dem Erkundungsbergwerk für ein atomares Endlager in Gorleben. An zwei Holzkreuzen halten sie seit 15 Jahren Andacht - für die Bewahrung der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden. Am 4. Juli feiert die ökumenische Initiative den Jahrestag der Gorlebener Gebete.

"Mit den Gorlebener Gebeten wollen wir dem Negativen der Atomenergie etwas Positives entgegen setzen", sagt Katja Tempel aus Jeetzel bei Lüchow, die die wöchentlichen Andachten koordiniert. Die Gebete werden abwechselnd mal von Jugendgruppen, Chören oder Umweltinitiativen, mal von Pastoren vorbereitet. In 15 Jahren ist auch bei Regen, Schnee und klirrender Kälte noch nie eines ausgefallen. Darauf sind die Initiatoren aus der ökumenischen Basisbewegung stolz.

Im Durchschnitt besuchen 16 Menschen jede Woche das Gebet, bei besonderen Terminen sind es bis zu 200. Ingrid und Georg Cyranik, die 30 Kilometer entfernt leben, kommen regelmäßig, auch um über ihre Ängste zu sprechen. Sie seien zu alt, um noch viel zu unternehmen, meint der 79-jährige Georg Cyranik. "Aber das halten wir aufrecht: für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten und um kundzutun, dass wir absolut nicht einverstanden sind mit dem Schiet, den sie uns hier abladen."

Die ökumenische Initiative versteht die Gorlebener Gebete als Teil der Protestbewegung gegen die Energiepolitik und die Atommüll-Transporte ins Wendland. Die zwei Holzkreuze, die die Andachtsstelle markieren, sind symbolträchtig. Sie wurden auf "Kreuzwegen für die Schöpfung" nach Gorleben getragen.

1985 begleiteten heftige Auseinandersetzungen mit den kommunalen Behörden und auch mit Kirchenvertretern den Weg, der beim Atomkraftwerk Krümmel begann. 1988 beteiligten sich rund 6.000 Menschen an einem zweiten Marsch, der an 63 Tagen entlang der damals geplanten Atommüllstrecke von Wackersdorf nach Gorleben führte. 2001 wurde ein weiteres Kreuz entlang der Castor-Transport-Strecke von Lüneburg nach Gorleben gebracht, um ein inzwischen morsch gewordenes zu ersetzen.

Die Ausdauer des Protestes hat den Gebeten im Wald in der Anti-Atom-Bewegung Anerkennung verschafft. "Früher hatte man das Gefühl, dass das Gorlebener Gebet vom Widerstand belächelt wird. Das ist heute anders", sagt Katja Tempel. Auch innerhalb der Kirche sind die Andachten längst nicht mehr umstritten. Zum Jubiläum am 4. Juli wird unter anderen der evangelisch-lutherische Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen erwartet. (epd Niedersachsen-Bremen/b1928/25.06.04)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen