Neuer sächsischer Bischof Bohl: Es läuft etwas schief in Deutschland

Nachricht 28. Juni 2004

Leitungswechsel: Landesbischof Volker Kreß nach zehnjähriger Amtszeit verabschiedet

D r e s d e n (idea) – Angesichts der gesellschaftlichen Krise zeichnet sich ein neues Interesse an der Kirche und ihrer Botschaft ab. Diese Ansicht vertrat der neue Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl (Dresden), in seiner ersten Predigt in diesem Amt. Der 54jährige verwies auf die intensiven Diskussionen über Filme wie „Die Passion Christi“ und „Luther“ sowie die Faszination am Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Die Zeit der Ignoranz gegenüber dem christlichen Glauben sei vorüber. „Wir stehen erneut in einer Zeitenwende, und sie fordert uns Christen heraus“, sagte Bohl am 26. Juni in der mit 4.000 Personen vollbesetzten Kreuzkirche. Er zeichnete ein kritisches Bild der Gesellschaft. Die sozialen Gegensätze verschärften sich, und die niedrige Zahl der Geburten gefährde die Zukunft. „Es läuft etwas schief in Sachsen und in Deutschland.“ In einem Presse-Interview forderte Bohl mehr Unterstützung für Familien: „Die Familienpolitik muß absolutes Nummer 1-Thema sein.“ Gut ausgebildete Frauen bekämen zu wenige oder gar keine Kinder: „Es geht nicht mehr darum, daß wir jobgerechte Familien erwarten, sondern daß familiengerechte Jobs angeboten werden. Wer das nicht begreift, sägt den Ast ab, auf dem wir sitzen.“

Der bisherige Direktor des Diakonischen Werkes der Landeskirche wurde vom Leitenden Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Hans Christian Knuth (Schleswig), in das Bischofsamt eingeführt. Gleichzeitig verabschiedete er den bisherigen Landesbischof, Volker Kreß, in den Ruhestand. Der gebürtige Dresdner, der am 25. Juli sein 65. Lebensjahr vollendet, stand zehn Jahre an der Spitze der rund 900.000 Mitglieder zählenden Kirche. Knuth würdigte ihn als „menschlich, einfühlsam, den Menschen zugewandt“. Kreß sei ein Landesbischof gewesen, „der immer zuhören konnte, unpathetisch, einfach, ehrlich, existentiell“. Nicht die großen Programme, sondern die Herzen der Menschen habe er im Blick gehabt. Bohl – er ist gebürtiger Sauerländer – war am 27. März zum Nachfolger von Kreß gewählt worden. Er setzte sich im vierten Wahlgang mit knapper Mehrheit gegen den Theologieprofessor Johannes Berthold (Moritzburg). Dieser lutherische Pietist galt als Wunschkandidat der missionarisch orientierten Basis. (075/2004/9)
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