Erste Palliativstation für Schwerstkranke in Hannover

Nachricht 28. Juni 2004

Hannover (epd). Das Friederikenstift hat als erstes Krankenhaus in Hannover eine Palliativstation für schwerstkranke Schmerzpatienten eingerichtet. Dafür wurden drei Betten der internistischen Abteilung der Klinik umgewidmet, sagte Öffentlichkeitsreferentin Christel Suppa am Montag dem epd. Die Kosten von 20.000 Euro trägt der Freundeskreis des Stiftes. Da die Krankenkassen diese Behandlung noch immer nicht finanzierten, sei man auch weiterhin auf Spender und Sponsoren angewiesen.

Die neue Palliativstation wurde am Montag von Landesbischöfin Margot Käßmann eingeweiht. Hier werden Patienten aufgenommen, die in einer akuten Krise sind und unter anderem unter Schmerzen, Übelkeit, Blutungen, Luftnot oder Angst leiden, sagte Suppa. Das Palliativteam sorge dann mit den Ärzten anderer Fachabteilungen für die Behandlung der Symptome. Der Patient kehre nach Hause zurück, sobald sein Zustand stabil sei.

"Ärzteverbände, Kirchen und Politiker erklären zwar angesichts der Verbreitung der aktiven Sterbehilfe, wie wichtig die schmerzmedizinische Versorgung ist, aber für die Finanzierung stehen bis heute keine Mittel zur Verfügung", kritisierte der Neurochirug und Schmerztherapeut Professor Wolfhard Winkelmüller. Er engagiert sich seit knapp zehn Jahren dafür, die Palliativmedizin (vom lateinischen "pallium" für Mantel) im Evangelischen Diakoniewerk Friederikenstift zu etablieren.

1995 wurde ein ambulanter Pflegedienst gegründet, der seinen Schwerpunkt in der Versorgung von Krebs- und Schmerzpatienten hatte. Vier Jahre später entstand das Uhlhorn-Hospiz, das das Stift mit der Henriettenstiftung betreibt. Vor zwei Jahren nahm ein ambulanter Palliativdienst seine Arbeit auf. Hier beraten ein Palliativmediziner, zwei Krankenpflegekräfte sowie eine Seelsorgerin todkranke Menschen und ihre Angehörigen. Bei Schmerzen und anderen Symptomen versorgen sie sie zu Hause. In Planung befindet sich ein Aus- und Weiterbildungszentrum.

"Wo Heilung nicht mehr möglich ist, setzt die Palliativmedizin ein, um den Menschen zu helfen und ihr Leiden so weit wie möglich einzugrenzen", sagte Suppa. Alle Leistungen des Palliativdienstes seien für die Patienten und Angehörigen kostenlos, weil es nach wie vor keine Vergütung seitens des Gesundheitssystems gebe. (epd Niedersachsen-Bremen/b1952/28.06.04)

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